Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
167
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Der Blutsturz.

Sache der Redaction sein. Wahrscheinlich dürfte jener eine Erscheinung für sich sein, und erst in der Er­innerung mögen alle krankhaften Erscheinungen der Leipziger Zeit nahe an einander gerückt sein.

Man kann über den Blutsturz verschiedener Meinung sein, und ich glaube nicht, dass jetzt noch ein sicheres Urtheil möglich sei. Soviel ich sehe, wird der Blut­sturz meistens als Lungenblutung aufgefasst. Goethe und seine Umgebung waren ursprünglich auch dieser Meinung. Goethe schreibt z. B. von Frankfurt aus an Herrn Schönkopf am 1. Oktober 1768, er befinde sich so gut als ein Mensch, der in Zweifel steht, ob er Lungensucht hat oder nicht, sich befinden kann. Am 30. December jedoch meldet er Kätchen:meine Lunge ist so gesund als möglich. Ob er und die Seinigen auch damals noch den Blutsturz für eine Lungenblutung, die Lunge für wiederhergestellt gehalten haben, er­fahren wir nicht. Gegen die Annahme einer Lungen­blutung lässt sich manches sagen. Sie würde eine Lungentuberkulose voraus setzen, aber ein Blick auf Goethes späteres Leben scheint zu zeigen, dass die Annahme der Tuberkulose zu den grössten Unwahr­scheinlichkeiten gehört. Die Tuberkulose kann zwar ausheilen, aber das geht gewöhnlich nicht so leicht, wenn es einmal zu einem Blutsturze gekommen ist, und schliesslich bleibt der Geheilte gewöhnlich ein brüchiger Mensch, der eines Lebens, wie es Goethe bis in das 83. Jahr geführt hat, nicht fähig ist. In­dessen ist es doch nicht unmöglich, dass Goethe einen kleinen tuberkulösen Lungenherd gehabt habe, der