Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
168
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Der Lebenslauf.

unglücklicherweise zur Zerstörung eines grösseren Blut­gefässes führte, bei Goethes guter Natur und seiner Kleinheit aber trotzdem rasch ausheilte. Nähme man das an, so würde man eine Erklärung für den Blut­sturz gewinnen, der den alten Goethe am 26. November 1830 befiel. Man könnte dann vermuthen, dass in der aus der Jugendkrankheitstammenden Narbe eine Blutgefäss- Ausbuchtung, ein Aneurysma bestanden habe, das 1830 barst. Auch die Krankheit von 1823 ist wohl als tuberkulöse Pleuritis anzusehen. Wie die häufigen Katarrhe zu deuten seien, das kann dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich waren sie harm­loser Natur.

Ein Blutsturz ist eine plötzliche Blutentleerung aus dem Munde. Man könnte daher bei Goethe auch an eine Magenblutung denken. Ein Magengeschwür kann sich, ohne wesentliche Symptome zu machen, ent­wickeln, kann zufällig ein grösseres Blutgefäss anfressen und kann definitiv vernarben, ohne weitere Folgen zu hinterlassen. Damit stimmt, dass sowohl vor dem Blutsturze als später in Frankfurt besonders von Ver­dauungstörungen die Rede ist. In dem schon er­wähnten Briefe an Kätchen Schönkopf sagt Goethe geradezu,aber am Magen sitzt was. Indessen be­zieht sich diese Aeusserung eben auf den December 68; dass er in Leipzig Magenschmerzen gehabt habe, wird nicht gesagt, auch nicht, dass der Blutsturz etwas mit dem Magen zu thun gehabt habe. Es kann sein, dass Goethe mit seiner Aeusserung nur auf die Verstopfung und die von ihr abhängigen Kolikschmerzen zielt, wie