Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
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Ob Tuberkulose?

denn auch jetzt die Leute ihre Darmbeschwerden oft auf den Magen schieben. Andererseits wäre es möglich, dass die Frankfurter Kolik ein Anfall von Magen­schmerz gewesen wäre, wiewohl mir das nicht recht wahrscheinlich vorkommt.

Schliesslich könnte man auch noch an anderes, z. B. an eine jener seltenen nervösen Blutungen denken. Dass diese vorkommen, ist sicher, wenn sie uns auch nicht recht verständlich sind: Bei nervösen Leuten jugendlichen Alters tritt ohne Örtliche Schä­digung da oder dort eine Schleimhautblutung auf, die eine Krisis im Sinne der alten Medicin dar­stellen kann.

Hat es sich um eine Lungenblutung gehandelt, so wäre die Halsgeschwulst wohl auf eine vereiterte Lymphdrüse zu beziehen. Offenbar wurde aus ihr ein Abscess. Der Chirurg Crisp in Frankfurt kurirte lange an ihm. Er erhielt 1769 96 Fl, während. der Dr. Metz nur 78 Fl. 48 Kr. bekam. Je länger ich mir die Sache überlege, um so wahrscheinlicher wird es mir, dass es sich bei Goethe um Tuber­kulose gehandelt habe. Ich betone das, weil ich bei der ersten Ausgabe des Buches noch recht zweifels­voll war.

Seitdem ist insofern ein Neues hinzugekommen, als W. A. Freund die Meinung ausgesprochen hat, alles erklärte sich, wenn man annähme, dass Goethe in Leipzig an Syphilis erkrankt sei. Ich glaube, dass nichts für eine'syphilitische Erkrankung spreche, obwohl ihre Möglichkeit nicht abzuleugnen ist, und dass auch

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