Der Lebenslauf.
die Voraussetzung einer Infection über die Schwierigkeiten nicht weghelfe,*)
Das ist sicher, dass sich Goethe ziemlich rasch wieder erholte. Er war geistig thätig, sah sich in Leipzig noch einen Studenten-Tumult an, reiste dann nach Hause, unterhielt sich unterwegs lebhaft und erschien wohl eher als unglücklicher Liebhaber, denn als Patient. In Frankfurt freilich fühlte er sich nicht wohl; er sei seinem Vater„als ein Kränkling, der noch mehr an der Seele als am Körper zu leiden schien“, entgegengetreten.
Nun folgt eine ziemlich lange Zeit des Kränkelns. Abgesehen von der Eröffnung der Halsgeschwulst, der mehrfache Aetzungen folgten, scheint besonders die Stuhlverstopfung Noth gemacht zu haben.„Mir war indess noch eine sehr harte Prüfung vorbereitet: denn eine gestörte und man durfte wohl sagen für gewisse Momente vernichtete Verdauung brachte solche Symptome hervor, dass ich unter grossen Beängstigungen das Leben zu verlieren glaubte und keine angewandten Mittel weiter etwas fruchten wollten.“ Diese Stelle bezieht sich offenbar auf den December 1768. Goethe schreibt darüber an Kätchen:„Ja meine
*) Wegen des Einzelnen muss auf folgende Aufsätze verwiesen werden: 1. W. A. Freund, zu„Don Sassafras“(Erich Schmidt) und„Ueber das Pathologische bei Goethe“(P. J. Möbius). Münchner medic. Wochenschr. No. 48, 1898. 2. P. J. Möbius, Goethe und W. A. Freund, Ebenda No. 51, 1898, und Stachyologie, 1901, p. 89. 3. A. Kirstein, War Goethe syphilitisch? Allgem. medic. Centralzeit. No. 99, 1898.[K. schliesst sich meiner Auffassung an und spricht gegen Freund.]