Goethe an anderen Stellen. Mit der acuten Erkrankung in Leipzig ist die Missstimmung gewichen und in Frankfurt wiegt trotz aller Reizbarkeit die Heiterkeit vor.
Der Reconvalescent ist reizbar, wechselnden Stimmungen unterworfen, weicher als sonst, ja etwas schwachmüthig und der Kritik abgeneigt. Die nervöse Verstimmung giebt sich auf verschiedene Weise kund. Man vergleiche die Schilderungen der Reizbarkeit in den Briefen, die Hinneigung zu mystisch-pietistischen Auffassungen, die in manchen Briefen geradezu frömmelnde Aeusserungen bewirkt, die Beschäftigung mit „mystischen chemisch-alchymistischen Büchern“ und entsprechenden Experimenten. Man vergleiche die an Fräulein Oeser gerichteten Verse vom 6. Nov. 1768,*) aus denen hervorzugehen scheint, dass auch die Aerzte
*) So launisch, wie ein Kind das zahnt; Bald schüchtern, wie ein Kaufmann den man mahnt, Bald still wie ein Hypochondrist, Und sittig wie ein Mennonist, Und folgsam, wie ein gutes Lamm; Bald lustig, wie ein Bräutigam, Leb’ ich und binn halb krank und halb gesund, Am ganzen Leibe wohl, nur in dem Halse wund; Sehr missvergnügt dass meine Lunge Nicht soviel Ahtem reicht, als meine Zunge Zu manchen Zeiten braucht Nun folgen die auf S. 42 wiedergegebenen Verse. Ferner sagt er, man heisse ihn, seinen Willen zwingen, an nichts Reizendes denken u. s. f. O sage Du, Kann man was traurigers erfahren? Am Körper alt, und jung an Jahren,