Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
173
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Die Wunderkur.

Goethe als Nervösen behandelten. Man denke end­lich an die Heilung der Stuhlbeschwerden durch Suggestion. Der Arzt,ein unerklärlicher, schlau­blickender, freundlich sprechender, übrigens abstruser Mann, lockte seine Patienten mit geheimnissvollen, selbstbereiteten Arzeneien an. Besonders deutete er auf ein wichtiges Salz hin, von dem man gar nicht sprechen durfte, und das nur in den grössten Gefahren anzuwenden war. Als nun die Stuhlbeschwerden arg wurden,in diesen letzten Nöthen zwang meine be­drängte Mutter mit dem grössten Ungestüm den ver­legenen Arzt, mit seiner Universalmedicin hervor­zurücken. Mitten in der Nacht lief er nach Hause und holte ein Gläschen mit alkalisch schmeckenden Krystallen.[Glaubersalz?].Das Salz war kaum ge­nommen, so zeigte sich eine Erleichterung des Zu­standes, und von dem Augenblicke an nahm die Krank­heit eine Wendung, die stufenweise zur Besserung führte. Natürlich war man dem wenig lobenswerten Medicus[Dr. Metz] sehr dankbar, man könnte aber hier das typische Bild einer erfolgreichen Wachsuggestion erblicken, wie sie auch heute berufenen und unberufenen Heilkünstlern bei nervösen Uebeln oft genug gelingt.

Die nächste Krankheit war eine Halsentzündung durch das Einathmen salpetriger Säure beim Aetzen einer Kupferplatte. Hier wiederholt Goethe die Ver­

Das giebt so melancholsche Laune,

Und ihre Pein

Würd ich nicht los, und hätt ich sechs Alraune. Halb siech, und halb gesund. zu seyn?

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