Nervöse Störungen in Strassburg.
einsamen Capellen in der Finsterniss, in der That eine heroische Behandlung. Sie hatte aber Erfolg, und Goethe scheint sich dann in Strassburg recht wohl befunden zu haben. Später erwähnt er, dass er sich mit Arbeiten und Plänen überladen habe, besonders damals, als Herder mit etwas rauher Hand ihn auf neue Gebiete hinwies. Zu der vielfachen Verwirrung kam mit einer angehenden Leidenschaft(zu Friederiken) „noch ein körperliches Uebel, dass mir nämlich nach Tische die Kehle rein zugeschnürt war.“ Er nennt die Beschwerde eine unerträgliche Unbequemlichkeit, ein heftiges Uebel, und schiebt die Schuld dem rothen Tischweine zu. Da die andern Tischgenossen den Wein gut vertragen zu haben scheinen, handelt es sich offenbar um eine besondere Reizbarkeit Goethes. Sie erinnert an seine Abneigung gegen den Kaffee und gegen den Thee, von dem er später behauptete, er wirke auf ihn wie Gift, an seine Verurtheilung des Tabaks, an seine Empfindlichkeit gegen Witterungseinflüsse, vermöge der er sich besonders bei niederem Stande des Barometers unlustig, ja unwohl fühlte. Das sind alles Symptome der Nervosität.
Haben wir bisher die mehr körperlichen Störungen, an denen der junge Goethe zu leiden hatte, in’s Auge gefasst, so gilt es nun, d. h. der Wertherzeit gegenüber, den Geisteszustand in die erste Reihe zu stellen. Dabei muss aber hervorgehoben werden, dass jede solche Auseinandersetzung der Fülle der Wirklichkeit gegenüber sehr dürftig ausfallen muss, dass, will man nicht ins Grenzenlose gerathen, im