Der Lebenslauf.
Grunde nicht mehr zu thun ist, als Einzelheiten herauszuheben.
In den Schilderungen Goethes selbst und in denen der Mutter erscheint der Dichter als ein frühreifes Kind, lebhaft, heiter, selbstbewusst. Von Anfang an verräth er nicht nur die ausserordentliche Lernfähigkeit, sondern auch den ungeheuren Lerneifer, der noch nach 80 Jahren nicht ermatten sollte. Die Frühreife ist ein wichtiger Zug im Bilde der meisten genialen Menschen. Sie war bei Goethe in hohem Grade vorhanden. Früh tritt die leidenschaftliche Art des Knaben zu Tage. So entflammt er für das Gretchen und geräth nach ihrem Verluste in äusserste Verzweiflung.„Ich hatte, schreibt der Greis, oft halbe Nächte durch mich mit dem grössten Ungestüm diesen Schmerzen überlassen, sodass es durch Thränen und Schluchzen zuletzt dahin kam, dass ich kaum mehr schlingen konnte und der Genuss von Speise und Trank mir schmerzlich ward, auch die so nah verwandte Brust zu leiden schien.“ Man lese die ausführliche Schilderung seines „Rasens“ am Ende des 5. Buches von Wahrheit und Dichtung nach. Zuletzt trat„eine körperliche Krankheit und ziemlicher Heftigkeit“ ein. In ganz ähnlicher Weise quält ihn in Leipzig die Eifersucht, wie die noch erhaltenen Aufzeichnungen des Jünglings darthun. Dann folgt die Zeit des Missmuths. Nach der schweren Erkrankung in Leipzig kehrt langsam der Lebensmuth zurück, aber über Jahr und Tag wird der Genesene von der Reizbarkeit geplagt. Der in Strassburg zu Kraft und Frische Ge