Die genialische Aufregung.
langte wird von der Liebe zu Friederiken erfasst, und nach der Trennung von dieser führen Aufregung und Gewissensbedenken zu erneuter Reizbarkeit, die diesmal erfolgreich durch Fusswanderungen, Reiten, Schlittschuhlaufen bekämpft wird. Seit dem Strassburger Aufenthalte denkt Es in Goethe mit Macht. Sucht man sich seinen Geisteszustand vorzustellen, so fallen einem Schillers Verse ein:„Und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt.“ Es ist, als ob ein Fieber in ihm glühte. Die Ausrufungen überstürzen sich, die Sätze werden kaum zu Ende geschrieben, Gedankenstriche sind ein unentbehrliches Mittel des Ausdruckes. Ein Entwurf drängt den anderen, bald führt ihn sein Flug in Himmelshöhen, bald dringt er in finstere Tiefen, bald weilt er behaglich auf der platten Erde, immer aber ist er in Thätigkeit, und wenn er auch Essen und Trinken nicht vergisst, so scheint er doch manchmal des Schlafes kaum zu bedürfen. Ohne viel dabei zu denken, spricht man oft von dem den Dichter leitenden Genius, von seiner Inspiration, hier aber sieht man, dass dies nicht nur Worte sind, dass ein vom Dichter emPfundener und für die Umgebung unverkennbarer Zwang vorhanden ist, ein mächtiges Muss, das aus dem Individuum ein Organ macht, oder vielmehr in diesem Falle deutlich macht, dass das Individuum nur ein Organ ist. Von jeher hat die naive Auffassung die Aehnlichkeit des genialen Wesens mit dem Pathologischen erkannt, hat von göttlicher Trunkenheit, von Furor poeticus u. s. w. gesprochen. Ist die Besonnen
Möbius, Werke Il.