Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
181
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Das Taedium vitae.

genommen werde, den Wechsel des Mora­lischen, als Gunst und Neigung, die Wiederkehr der eigenen Fehler, deren Nothwendigkeit der Jüngling nicht begreife. Ausser diesen allgemein-menschlichen Motiven nennt Goethe bestimmte Zeitumstände, nem­lich den Einfluss der melancholischen englischen Literatur und die Unzufriedenheit mit dem engen, lang­weiligen, bürgerlichen Leben.In einem solchen Ele­ment, bei solcher Umgebung, bei Liebhabereien und Studien dieser Art, von unbefriedigten Leidenschaften gepeinigt, von aussen zu bedeutenden Handlungen keineswegs angeregt, in der einzigen Aussicht, nur in einem schleppenden, geistlosen bürgerlichen Leben hinhalten zu müssen, befreundete man sich in un­muthigem Uebermuth mit dem Gedanken, das Leben, wenn es einem nicht mehr anstehe, nach eigenem Be­lieben allenfalls verlassen zu können, und half sich damit über die Unbilden und Langeweile der Tage nothdürftig genug hin. Ich kann nicht sagen, dass mich diese Erörterung sehr befriedige. Die Antithese, dass der Wechsel der natürlichen Dinge Grundlage des Behagens, der Wechsel im Moralischen Grundlage des Ueberdrusses sei, ist doch recht künstlich.

Unter den Neueren hat sich besonders Biel­schowsky mit der zu Selbstmordgedanken führenden Verstimmung des jungen Goethe beschäftigt. Ausser den von Goethe selbst erwähnten Umständen nennt er mehr persönliche Missverhältnisse, die Zerwürfnisse mit dem Vater, das Gefühl, allein und unverstanden zu sein, allgemeiner die Faustgefühle, das Ungenügen