Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
182
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Der Lebenslauf,

an Kunstbestrebungen, die Enge und Mattigkeit des bürgerlichen Lebens gerade in Frankfurt, die Abneigung gegen die Rechtsgeschäfte, die unglückliche Liebe. Ich sollte meinen, die persönlichen Beziehungen wollen

nicht allzuviel heissen. Gewiss mag man die persön­

lichen und die Zeit-Umstände als Hilfeursachen herbei­ziehen, aber die Hauptsache steckt denn doch tiefer. Das Taedium vitae der Jugend ist offenbar eine Er­scheinung aller Zeiten und der verschiedensten Völker. Der junge Buddha sah, dass nichts Bestand habe, und er verneinte das Leben. Der junge Schopenhauer schrieb das 4. Buch von Wille und Vorstellung. Wie viele junge Männer mögen in den reichlich 2000 Jahren, die zwischen Buddha und Schopenhauer liegen, eine ähnliche Noth durchgemacht haben! Man könnte sagen, dass es eben gerade hochbegabten Menschen eigen sei, den Zwiespalt zwischen dem Ideal und der relativen Nichtigkeit der Welt besonders schmerzlich zu empfinden, und dies am meisten dann, wenn er sich ihnen zum ersten Male aufthut. Daran ist sicher etwas Wahres. Der unbedeutende Mensch hat mit dem Taedium vitae, von dem hier die Rede ist, nicht viel zu thun. Aber wenn jene Erkenntniss die Hauptsache wäre, so müssten doch die von ihr ab­hängende pessimistische Auffassung und die melan­cholische Stimmung im Laufe des Lebens festgehalten, ja in mancher Hinsicht verschärft werden. Das ist aber nicht der Fall. In der Theorie zwar kann man Pessimist bleiben, aber ein Gefühls-Pessimist ist eigent­lich nur der junge Mensch. Je älter man wird, um