Beruhigung. Zwangsdichten.
Mit der Wertherstimmung war das geistige Fieber nicht erloschen, das das Aufblühen des Dichtergeistes begleitete. Langsam nahm dieses in den nächsten Jahren ab. Immer von neuem flackerte es auf. Die Liebe zu Lili und die aus ihr erwachsenden Aufregungen steigerten die Unruhe. Aber allmählich glätten sich die Wogen. Goethe selbst empfand diese Beruhigung als Wohlthat. Wie alle Einwirkungen auf den Erregten die Erregung steigern, SO sucht der beruhigte Geist das ihm Zusagende auf. Dann glaubt man wohl, der äusseren Einwirkung die Beruhigung zuschreiben zu sollen, die eben Ursache davon War, dass diese Einwirkung möglich wurde.„Wie man zu sagen pflegt, dass kein Unglück allein komme, SO lässt sich auch wohl bemerken, dass es mit dem Glück ähnlicherweise beschaffen sei, ja auch mit anderen Umständen, die sich auf eine harmonische Weise um uns versammeln; es sey nun, dass ein Schicksal dergleichen auf uns lege, oder dass der Mensch die Kraft habe, das was zusammengehört, an sich heranzuziehen. Wenigstens machte ich diesmal die Erfahrung, dass alles übereinstimmte, um einen äusseren und inneren Frieden hervorzubringen.“ Aus Spinoza wehte ihn Friedensluft an. Er empfand sich dabei als ein Stück der nach festen Gesetzen lebenden Natur. Besonders aber erschien ihm die dichterische Thätigkeit als eine in ihm waltende Naturkraft. Goethe schildert hier in bemerkenswerther Weise, wie zu jener Zeit seine Gedichte ihm sozusagen ohne sein Zuthun, fertig vom Unbewussten geliefert wurden.„Aber am freudigsten