Der Lebenslauf,
Denkens und gehört zur Nervosität. Ich habe nervöse
Leute gekannt, die sich in der Brautnacht scharf be
obachtet hatten und geneigt waren, gerade im Momente grösster Erregung Betrachtungen anzustellen, die beim Tode der nächsten Verwandten neugierig auf ihre Empfindungen waren. Dem Gesunden ist so etwas geradezu unheimlich, er fühlt, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht.„In jede Gesellschaft begleitete ihn Mephisto, bei jedem Buche las er, ihm über die Schulter sehend, mit“. Jeder höherstehende Mensch wird etwas wissen von der Spaltung seiner Persönlichkeit in das Positive, Thätige, und das Negative, Kritische, aber normal ist die Spaltung nicht: Höherstehen und Pathologischsein gehören zusammen.
In der Zeit der Erregung war Goethes Innere ausgereift. Die krankhafte Erregung war unentbehrlich zur schönsten Entwickelung; der Dichter musste, um das ihm gesteckte Ziel zu erreichen, wie die Liebenden in der Zauberflöte, durch Feuer und durch Wasser gehen. Aus dem Ueberdrusse gelangte er zu bewusster Lebensfreude, liebte das Leben im Guten und im Bösen wegen des Glückes, das die Thätigkeit gewährt. Das schweifende Verlangen wich der Selbstbeherrschung und der Entsagung. Zu Eckermann sagte der Greis:„Die Hauptsache ist, man lerne sich selbst beherrschen. Wollte ich mich ungehindert gehen lassen, so läge es wohl in mir, mich selbst und meine Umgebung zu Grunde zu richten.“ Die dunkeln Mächte waren vorläufig besiegt, aber sie waren natürlich noch vorhanden, und Goethe mag noch manchen