Der Lebenslauf.
Jahre 1829 hatte Goethe eine Augenentzündung, die ihn längere Zeit am Lesen hinderte. Die Angabe, dass Vogel„mir nicht gestatten will, vor 4—5 Wochen meine noch immer entzündete Netzhaut in Versuchung zu führen“, beruht natürlich auf falscher Auffassung.
Mitte November 1830 erfuhr Goethe, dass sein Sohn in Rom gestorben sei. Er nahm die Nachricht gefasst entgegen und verschloss den Kummer in sich, sprach kein Wort darüber. Wie er am 10. December an Zelter schreibt, drückte ihn das Aussenbleiben des Sohnes heftig und widerwärtig. Er arbeitete mit Gewalt am 4. Bande von Wahrheit und Dichtung.„Soweit nun bracht’ ich’s in 14 Tagen, und es möchte wohl kein Zweifel sein, dass der unterdrückte Schmerz und eine so gewaltsame Geistesanstrengung jene Explosion, wozu sich der Körper disponirt finden mochte, dürften verursacht haben. Plötzlich, nachdem keine entschiedene Andeutung, noch irgend ein drohendes Symptom vorausging, riss ein Gefäss in der Lunge und der Blutauswurf war so stark, dass das Schlimmste zu erwarten war, dass, wäre nicht gleich und kunstgemässe Hülfe zu erhalten gewesen, hier wohl die ultima linea rerum sich würde hingezogen haben.“ Auch Eckermann berichtet über diesen Zufall(am 30. November 1830).„Goethe setzte uns vorigen Freitag [den 26. November] in nicht geringe Sorge, indem er in der Nacht von einem heftigen Blutsturz überfallen wurde und den ganzen Tag nicht weit vom Tode war. Er verlor, einen Aderlass mit eingerechnet[das war offenbar die“kunstgemässe“ Hülfe], sechs Pfund