Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
197
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Der Blutsturz von 1830.

Blut, welches bei seinem achtzigjährigen Alter viel sagen will. Die grosse Geschicklichkeit seines Arztes, des Hofrath Vogel, verbunden mit seiner unvergleich­lichen Natur, haben jedoch auch diesmal gesiegt, SO­dass er mit raschen Schritten seiner Genesung ent­gegengeht, schon wieder den besten Appetit zeigt und auch die ganze Nacht wieder schläft.

Die Angabe, dass Goethe sechs Pfund Blut ver­loren habe, dürfte übertrieben sein, denn das ginge an die Grenze der Verblutung, und die rasche Erholung des Greises würde nicht verständlich sein. Blutverluste werden gewöhnlich überschätzt, theils wegen der Auf­regung der Leute, theils wegen der starken Färbekraft des Blutes, die Wasser und etwas Blut in einem Ge­fässe als reines Blut erscheinen lässt. Vogel sagt denn auch nur, bei demLungenblutsturze seien etwa 2 Pfund Blut durch Aderlässe entzogen worden,nach­dem schon zuvor das bis zum Ersticken stromweise aus den geborstenen, bedeutenden Blutgefässen durch den Mund fliessende Blut ein tiefes und weites Wasch­becken halb angefüllt hatte. Vor dem Aderlasse habe der Puls nur 50 mal in der Minute geschlagen und eine wahre Holzhärte gezeigt.

Woher kam das Blut? Wir stehen hier wieder vor ähnlichen Schwierigkeiten wie bei der Leipziger Blutung. Es wird sich wohl, wie damals schon be­merkt wurde, um eine Blutung aus dem alten Krank­heit-Herde in der Lunge gehandelt haben.

Dass die Aufregung und die Blutung zufällig zu­wird man nicht annehmen

sammengetroffen seien,