Schopenhauers Person.
lichen Anstrich, da Philosoph sein etwa ebensoviel bedeutet wie Einsiedler sein, ein liebebedürftiger Einsiedler aber eine komische Figur ist. Wenn die Freundinnen Adelens heute noch erzählen, sie hätten sich vor dem mürrischen und hochfahrenden Bruder gescheut, so ist das sehr begreiflich, er war eben keine Speise für sie. Schopenhauer sagt selbst:„In meiner Jugend machte die Vernachlässigung, die ich in der Gesellschaft erfuhr, und der Vorzug, den man den Alltäglichen, Platten, Dürftigen vor mir gab, mich an mir selber irre.“
Gwinner sagt:„Zu jener Zeit[um 1809] tritt auch bereits die, wie es scheint vom Vater auf ihn vererbte, mit krankhaften Affektionen des Gehörnervs zusammenhängende Anlage zu plötzlichen Beängstigungen ohne ersichtlichen Anlass, besonders in nächtlicher Stille, bei ihm hervor, eine Anlage, gegen die er zeitlebens zu kämpfen hatte. Damals schon hängte er scharf geladene Waffen neben sein Bett.“ Gwinner wird wohl weitere Gründe zu seinen Angaben gehabt haben als die 1808 geschriebenen Verse:„Mitten in einer stürmischen Nacht, Bin ich mit grossen Aengsten erwacht“ u. s. w., und das im gleichen Jahre verfasste „Sonnet“. Es ist sicher, dass Schopenhauer später an unbegründeter Angst gelitten hat, und die Angabe, dass diese Zustände um das 20. Jahr begonnen haben, hat durchaus innere Wahrscheinlichkeit. Dagegen möchte ich auf die Erzählung, nach der Schopenhauer schon als 6jähriges Kind von Angst befallen worden sei, weil, er geglaubt habe, die spazierengehenden