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Weimar und Dresden. 1813—18.
fahrender Mensch, und der Idealismus schmeichelte seinem Stolze. Ist die Welt unsere Vorstellung, so ist sie in gewissem Sinne unser Werk. Wenn die Regeln des Geschehens im Grunde die Regeln unseres Geistes sind, so geben wir der Welt Gesetze. Von der Höhe des idealistischen Standpunktes aus glaubte Schopenhauer nicht nur die unzähligen Welten im Raume zu nichts machen zu können, sondern auch auf alles Werden und Vergehen verächtlich herabsehen zu können. Er meinte, nicht nur jede Kosmogonie, sondern auch die Geschichte überhaupt verachten zu dürfen. Der Idealismus trieb ihn zu einem überspannten Monismus; indem er die Individualität leugnete, fand er doch in jedem Individuum das ganze ungetheilte Wesen der Welt, im eigenen Herzen das Herz der Welt. Nie ist ein Idealist folgerichtig gewesen, und Schopenhauer war es am allerwenigsten, aber insoweit wie Einer Idealist ist, ebensoweit nähert er sich dem theoretischen Egoismus. Ein hochmüthiger Sinn muss sich sozusagen instinctiv zum Idealismus hingezogen fühlen, und wirklich sind alle Folgerungen, die Schopenhauer aus seinen idealistischen Voraussetzungen zieht, Ausdrücke menschlichen Hochmuths und Verlockungen dazu. Ferner ist der Idealismus eine esoterische und somit aristokratische Lehre; wer sich zu ihm bekennt, tritt in Gegensatz zu dem profanum vulgus, und zu diesem vulgus gehören auch die meisten Gelehrten, aus denen der Philosoph als ein Wesen höherer Art heraustritt. Natürlich meine ich nicht, dass sich Schopenhauer durch solche Ueberlegungen habe