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Weimar und Dresden. 1813—18.
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scharfsinnigen Begriffsverbindungen, in den französischen Materialisten fanden seine naturwissenschaftlichen Neigungen Befriedigung, und ihre Nüchternheit bot ein Gegengewicht zur platonisch-indischen Schwärmerei. So mussten denn die Todfeinde einander die Hand reichen und in das System eintreten. Schopenhauer fühlte sich so sehr als Herrscher, dass er gar nicht merkte, wie die Feindschaft unter seinen Unterthanen fortglimmte, nicht ahnte, dass sie nach dem Tode des Sultans das gewaltsam Verbundene auseinandersprengen musste. Die jugendliche Steigerung des Selbstbewusstseins hatte ihm die Eroberung ermöglicht, später konnte er zwar das Scepter festhalten, aber in der Besonnenheit des Alters wäre er der früheren Kühnheit nicht fähig gewesen, und zum Theile deshalb staunte er dann das Werk der Jugend an. Endlich hing eins von der Jugend ab, Schopenhauers schroffer Pessimismus. Zu diesem wäre er nicht gekommen ohne die vom Vater ererbte melancholische Verstimmung. Sie beherrschte, wie ich wiederholt bemerkt habe, seine Jugend. Frauenstädt fragte Schopenhauer einmal, ob er etwa in jungen Jahren viel gelitten habe und daraus sein Pessimismus zu erklären sei, und Schopenhauer antwortete:„Gar nicht; sondern ich war als Jüngling immer sehr melancholisch.“ Die krankhafte Verstimmung färbte sein Fühlen und Denken, die Fülle der Jugendkraft aber gab ihm den Muth, aus ihr eine Theorie zu machen und diese als zweifellose Wahrheit zu verkünden. Sieht man von der Frage, ob die pessimistische Auffassung Recht