Schopenhauers Person.
Schopenhauer angewiesen. Obwohl es ihm in Italien im Allgemeinen gut gegangen zu sein scheint, haben ihn offenbar auch dort die nervösen Beschwerden nicht verlassen. Die Schwester schreibt ihm im Mai 1819:„Sehr seltsam ist mir’s von dir vorgekommen, dass du vom Sterben, von Testiren sprichst— du fühlst dich doch nicht kränker?“ Da Schopenhauers Briefe vernichtet worden sind, wissen wir nicht, auf welche Aeusserungen Adele anspielt. Gwinner macht in seiner 1. Ausgabe einige Angaben, ohne die Quelle anzugeben. Er spricht dort(p. 111) von„der vom Vater angeerbten, von ihm selbst verwünschten und zeitlebens mit dem ganzen Aufwande seiner Willenskraft bekämpften, an Manie grenzenden Angst, die ihn zuweilen bei den geringsten Anlässen mit solcher Gewalt überfiel, dass er bloss mögliches, ja kaum denkbares Unglück leibhaftig vor sich sah.“ Gwinner erwähnt die oben berührte Anekdote von der Verzweiflung des sechsjährigen Kindes, meint, den Jüngling hätten eingebildete Krankheiten und Streithändel gequält, in Berlin hätte er sich eine Zeit lang für auszehrend gehalten.„Aus Neapel vertrieb ihn die Angst vor den Blattern.., in Verona ergriff ihn die fixe Idee, vergifteten Schnupftabak genommen zu haben.“ Es folgen noch weitere Aussagen Gwinners, auf die ich später zurückkommen werde, da sie sich auf eine spätere Zeit zu beziehen scheinen. Im Allgemeinen scheint Schopenhauer unterwegs ähnlich gelebt zu haben wie in Dresden: die Hauptsache war ihm die Erweiterung der Erkenntniss, seine Lebhaftigkeit führte