Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1904) Schopenhauer
Entstehung
Seite
67
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Die Reisen und der Aufenthalt in Berlin. 181831.

ihn zu geselligen Beziehungen, seine Schroffheit hin­derte ihn, in ihnen auszudauern, die Gewalt des Eros endlich zwang ihn, von Zeit zu Zeit dem anderen Geschlechte nahe zu treten. Die geselligen Beziehungen waren in Rom weniger erspriesslich als in Dresden, da die Teutschheit und das Christenthum der jungen Künstler und Gelehrten mit Schopenhauers Art einen zu grossen Widerspruch bildete. Schopenhauer wurde natürlich durch die herrschende Manier gereizt und verletzte durch beissende Sarkasmen die patriotische und christliche Gesinnung. Abgesehen von rein sinn­lichen Verhältnissen geriet Schopenhauer auch zu einer Dame der Gesellschaft in Beziehungen(die Geliebte ist reich, sie ist von Stande gar schreibt Adele), die, wie es scheint, beinahe mit einer Heirath geendet hätten. Auf der Rückreise erhielt Schopenhauer die Nachricht, dass durch den Zusammenbruch einer Dan­ziger Handlung Mutter und Schwester ihr Vermögen, er einen Theil seines Vermögens zu verlieren im Be­griff seien. Diese üble Nachricht beschleunigte seine Heimkehr und trug wahrscheinlich zu dem Entschlusse bei, sich an einer Universität zu habilitiren. Nach einigem Zögern wählte er Berlin und am 23. März 1820 hielt er seine Probevorlesung. Er las ein sechs­stündiges Privatum und trug seine Philosophie nach einem neubearbeiteten Hefte vor. Im Wintersemester fand er nicht die genügende Zahl von Zuhörern, ebenso ging es in der Folge. Begreiflich ist der Misserfolg, denn Hegel stand auf der Höhe seines Ruhmes; Schopenhauer trat ihm schroff gegenüber, verlegte