Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1904) Schopenhauer
Entstehung
Seite
70
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Schopenhauers Person.

aufhalten, sondern an den Rhein gehen... Behüten Sie in alle Wege, als den grössten Schatz, Ihre Ge­sundheit, alles andere ist nichts dagegen. In einem Briefe an Thiersch grüsst er seinen Arzt, Grossi,den Zeugen seiner schweren Leiden. So viel wie ich sehe, ist etwas näheres über die grosse Krankheit nicht be­kannt geworden. Am nächsten liegt es, an einen Münchener Typhus zu denken. Der Sommer 1824 ging mit Herumreisen hin, im Herbst kam Schopen­hauer wieder nach Dresden und blieb da acht Monate. Er studirte für sich, machte Pläne wegen Uebersetzung einiger Schriften David Humes und Giordano Brunos. Im Mai 1825 kehrte er, zunächst jenes Processes we­gen, der übrigens erst 1827 endete, nach Berlin zurück. Hier blieb er bis 1831, kündigte wieder Vorlesungen an, las aber wegen zu geringer Betheiligung nicht, arbeitete viel, lebte äusserst zurückgezogen. Auch jetzt kam er auf die Idee zurück, als Uebersetzer aufzu­treten, dachte aber in erster Linie daran, sich ans Ausland zu wenden; er liess eine lateinische Bearbei­tung seiner Farbenlehre erscheinen, versuchte erfolg­los in England Interesse für eine Uebersetzung der Kantischen Werke ins Englische zu erwecken. Zwischen­durch trieb er das Spanische und begann die Klug­heit-Regeln des Gracian ins Deutsche zu übersetzen. Gwinner theilt mit, dass Schopenhauersich in dieser Zeit nochmals mit dem Gedanken einer Ehe getragen habe. Das ist wohl begreiflich, denn Schopenhauer war auch ein Mensch, und die zunehmende Einsam­keit seines Lebens mochte ihm gerade in diesen Jahren