Schopenhauers Person.
fordert infolgedessen die Frau, dass sie dem Manne sein solle, was er ihr ist, so sind eigentlich eo ipso Die, deren Seele sich zu einer solchen Gemeinschaft nicht eignet, weil sie anderswo zu Hause ist, von der Ehe ausgeschlossen. Schopenhauers Verhältniss zu den Weibern wird ganz falsch beurtheilt, wenn man ihn, wie es noch neuerdings Kuno Fischer gethan hat, einen Weiberfeind nennt. Das ist er nie gewesen, vielmehr hat er über diese Behauptung gelacht. Nur vor der Forderung, sich ganz hinzugeben, sich einem Weibe sozusagen mit Haut und Haar zu überantworten, wich er mit Recht zurück. Eine für ihn normale Ehe hätte er nur im Orient schliessen können, also blieb ihm nichts übrig, als gelegentlich ein sogenanntes illegitimes Verhältniss einzugehen. Ein solches von langer Dauer hat er auch in Berlin gehabt, und es muss ihm in gutem Gedächtniss gebieben sein, da er 30 Jahre später der Freundin ein Legat aussetzte. Den Ruf eines Weiberfeindes haben ihm seine Aeusserungen über das weibliche Geschlecht, besonders das Kapitel der Parerga über die Weiber, eingetragen. Jedoch auch hier ist die Sache nicht so schlimm. Seiner ganzen schwarzseherischen Art gemäss musste er in erster Linie die Schwächen des anderen Geschlechtes wahrnehmen, jedoch ist sein Urtheil nicht ungerecht, sonder höchstens streng zu nennen. Fast alles, was er sagt, ist wahr, nur hätte ein wohlwollenderer Beurtheiler die guten Seiten mehr betont und ihnen mehr Raum gegönnt. In weniger wichtigen Beziehungen lässt er sich gelegentlich zu schiefen Behauptungen