Die einsamen Jahre in Frankfurt. 1831—47.
Menschen, je mehr du erkennst, wie dumm und schlecht die Meisten sind, umsomehr wirst du mit deiner Einsamkeit zufrieden sein. Gerade die schroffsten Aussprüche stammen aus der Jugend, denn die dieser Zeit eigene Maasslosigkeit und das in ihr am meisten vorhandene Bedürfniss nach persönlicher Mittheilung und Mitgefühl trieben ihn zu Explosionen. Seine späteren üblen Erfahrungen, die unerhörte Ignorirung seiner Werke und die nicht nur innerliche, sondern auch äusserliche Vereinsamung sind nicht die Ursache seiner menschenfeindlichen Stimmung. Man kann nur sagen, sie erhielten die letzere am Leben. Hätte er die verdiente Anerkennung bei Zeiten gefunden, so wäre die Bitterkeit früher geschwunden. Schopenhauer gab etwas auf Träume. In der Neujahrsnacht 1830/31 hatte er einen Traum gehabt, aus dem er schloss, dass ihm im kommenden Jahre der Tod drohe. Als nun im Sommer die Cholera heranzog, schien die Sache ernst zu werden. Schopenhauer verliess Berlin und reiste nach Frankfurt a. M., wo er im Anfange des Septembers eintraf. In der Nacht vom 7. zum 8. September hatte er wieder einen Traum, der ihm einen starken Eindruck machte: beide Eltern erschienen ihm, der Vater mit einem Lichte in der Hand. Er deutete diese Erscheinung dahin, dass er nun auch die Mutter überleben werde.„Gleichwohl (sagt Gwinner) erkrankte er nicht lange nach seinem Ueberzuge und verfiel in die düsterste Stimmung, SOdass er wochenlang keinen Menschen sprach.“ Im Winter wurde er wirklich krank. Seine Mutter, an die