Die einsamen Jahre in Frankfurt. 1831—47.
druss, der durch den Betrug eines Verwalters der Schopenhauerschen Grundstücke bei Danzig entstanden war, fährt sie fort:„Sehr zu beklagen ist, dass dieses in Deiner Erbitterung gegen die Menschen, zu denen Du doch auch gehörst, Dich bestärken und Dich düsterer und argwöhnischer machen wird, als Du ohnehin es schon bist.“
Leider wissen wir gar nichts Näheres über die hier erwähnte grosse Krankheit Schopenhauers, können daher nicht entscheiden, ob es sich nur um eine besonders tiefgehende und nachhaltige Gemüthsverstimmung gehandelt habe, oder ob ausser dieser noch eine körperliche Krankheit im engeren Sinne des Wortes vorhanden gewesen sei. Dass Schopenhauer in jenen Jahren wieder an Angst gelitten hat, das geht
aus einem Briefe Adelens vom 27. Oktober 1831 her
vor. Sie spricht von ihrer stillen Traurigkeit und fährt fort:„Daher ist mir Deine Angst, da auch Du Dich unglücklich fühlst und oft dem Leben entspringen wolltest durch irgend einen Gewaltschritt— seltsam.“
Wenn wir das Leben Schopenhauers überblicken, so treffen wir vier Zeiten stärkerer Verdüsterung oder anhaltender Depression: 1) die Zeit nach dem Tode des Vaters, 1805, 2) die Zeit, in der er seine Dissertation schrieb, 1813, 3) die Zeit in München, 1823, 4) das erste Jahr in Frankfurt, 1831—32. Im Jahre 1823 bestand zweifellos, im Jahre 1831 wahrscheinlich eine körperliche Krankheit. Es ist demnach zweifelhaft, ob man von periodischer Depression reden darf. Die Zwischenzeiten betragen etwa 7, 10, 8 Jahre, das