Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1904) Schopenhauer
Entstehung
Seite
163
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EFT

Ueber das erste Buch.

EEE

ob jeder Mensch alles für Ursache und Wirkung halte oder nicht; ist es so, so liegt eben nur eine psycho­logische Nöthigung vor, die mit der logischen Noth­wendigkeit direct nichts zu schaffen hat.

Vielleicht liesse sich noch Folgendes hinzufügen. Brauchen wir den Ausdruck Ursache für Ding an sich, so kann man nicht sagen, dass jedes Ding seine Ur­sache haben müsse, denn wir fragen nie nach der Ursache der Dinge oder unser selbst, sondern die Dinge ebensowohl wie wir werden nur als Ursachen, nie als Wirkungen aufgefasst. Wohl aber kann man in diesem Zusammenhange sagen, jede Verände­rung muss ihre Ursache haben, da eben jede auf ein Ding an sich zurückzuführen ist. Da die Objecte Wirkungen der Dinge sind, so gilt von ihnen das­selbe wie von den Veränderungen. Natürlich ist es ganz unzulässig, ein Object als Ursache des anderen zu bezeichnen.

Das, worauf das Object zurückgeführt wird, ist eine Thätigkeit des Dinges an sich. Wir glauben, nach Belieben thätig zu sein, oder nicht, setzen daher das­selbe bei den Dingen voraus. Es ist ersichtlich, dass von diesem Standpunkte aus zu einer zusammenhängen­den Kette von Ursachen und Wirkungen nicht zu ge­langen ist. Dass wir trotzdem eine solche in der Natur annehmen, das kann nicht auf einer ursprüng­lichen Nöthigung beruhen, sondern nur auf der Er­fahrung, die zeigt, dass in der Natur eine durchgehende Gesetzlichkeit herrscht. Wenn wir jetzt glauben, uns die Natur nicht anders als durchgängig gesetzlich vor­

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