Teil eines Werkes 
1 (1901) Nähere Umgegend Berlins
Entstehung
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4. Spandau und Umgegend.

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Vom Bahnhof geht die Bahnhofstraße zum Stresowplatz (hierStresowkaserne I für die Garde-Fußartillerie) und weiter die Brückenstraße zur C harlottenbrücke, in deren Nähe (r.) sich die Spree mit der Havel vereinigt. Jenseit der Brücke 1. die Anlegestelle der Dampfer nach Potsdam (S. 101). R. geht das Lindenufer nach der Berliner Brücke (S. 38) und der Schleuse (10 Min.; Dampfer nach Tegel, S. 36). Am Anfang des Ufers seit 1892 das überlebens- große *Denkmal Kaiser Friedrichs aus Bronze, von A. Manthe; am Sockel drei Reliefs: Heimkehr von der Jagd aus der Spandauer Stadtforst, Kaiser Friedrich und Prinz Heinrich beim Waldbrand in derselben (vgl. S. 40), Über­siedelung nach dem Neuen Palais (1. Juni 1888).

Im Mittelpunkt der alten Stadt, an der Potsdamer Straße, erhebt sich die *Nikolaikirche, dreischiffige, gotische Hallenkirche mit Chorumgang, aus dem XIV. Jahrh., 183940 restauriert; Turm oftmals erneuert.

Inneres (Küster Joachimsplatz 2, neben der Kirche): Besonders sehenswert der 1582 vom Grafen Rochus zu Lynar (152596) ge­stiftete *Renaissancealtar aus bemaltem Sandstein und Stuck; Reliefs: im Mittelfeld das h. Abendmahl, zu beiden Seiten die Familie des Stifters, darüber das jüngste Gericht und Christus am Kreuz.Unter dem Altar die Lynarsche Familiengruft. An der Rückseite des Altars ein mächtiges Kruzifix von 1540. Altertümliches bronzenes Tauf­becken von 1398. Davor die Gruft des Grafen Adam v. Schwarzenberg , Be­raters des Kurfürsten Georg Wilhelm (+ 1641; vgl. S. 38); Bronzetafel dazu mit seinem Wappen an der südl. Chorwand. An einem Pfeiler r. vom Altar die Grabtafeln zweier Herren v. Röbel (t 1572 u. 1575; vgl. S. 59). An der nördl. Chorwand Bild von B. Rode (weibliche Figur, die das Brustbild des Georg Lamprecht hält, mit Inschrift von Ramler).

Vor der Kirche das bronzene *Standbild Joachims II., von Encke, 1889 enthüllt gelegentlich des 350jährigen Re­formationsjubiläums, mit drei Reliefs: Kurfürstin Elisabeth (vgl. S. 38) und die Kinder, Abendmahlsfeier Joachims, Jo­achim mit Luther und Melanchthon. Neben der Kirche, auf dem Heinrichsplatz, ein eisernes Denkmal für die in den Freiheitskriegen Gefallenen. In der Potsdamer Straße, Nr. 27, das kgl. Gymnasium.

In derselben Strafse, südl. von der Moritzstraße, da wo sich jetzt stattliche Neubauten erheben, stand bis vor kurzem die sog. Schloßkaserne, 1578 81 als Schloß des Grafen Rochus zu Lynar er­baut, 16871872 Zuchthaus, aus dem 1850 der Dichter Gottfried Kinkel mit Hilfe von Karl Schurz entfloh. In der Nacht zum 16. Dez. 1632 war hier die Leiche Gustav Adolfs aufgebahrt.

Nördl. von der Neuen Brücke beginnt die Neu­stadt mit der Neuendorfer Straße. L. abseits bleiben die neuen Kasernen des 5. Garde-Reg. Dicht an der Straße folgt die gotische Garnisonkirche (1890), von Roß- teuscher. Ihr gegenüber (r.) fahren die Dampfer nach den Papenbergen,.z. T. auch nach Tegel ab (S. 86). Jenseit der Garnisonkirche teilt sich alsbald die Straße. Gradeaus