Teil eines Werkes 
Grad-Abtheilung 59, Blatt 30 [Neue Nr. 4451] (1924) Jessen / bearb. durch A. Klautzsch
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen

WS MR

{

12 Blatt Jessen

zweiten oder Haupteiszeit. In wärmeren Zwischeneiszeiten und mit dem Ende der letzten Vereisung wich der Eisrand ruckweise. nach Norden zurück und überdeckte die eisfrei gewordenen Gebiete mit seinen Ab­lagerungen. Ähnlich den Bildungen des heutigen Inlandeises in Grön­land und der gegenwärtigen Hochgebirgsgletscher unterscheiden wir auch bei den diluvialen Ablagerungen solche glazialer und solche fluvioglazialer Entstehung(Geschiebemergel bezw. Kiese, Sande, Tone usw. als Um­lagerungsprodukte der Schmelzwässer) und gliedern sie morphologisch unter Berücksichtigung der jeweiligen Eisstillstandslage als Bildungen der Endmoräne, der Grundmoräne und des Sanders. Erstere bilden in zugartiger, meist bergiger Anordnung kiesige oder sandige blockerfüllte Rücken, Wälle und Kuppen, dahinter liegt das lehmig-mergelige, mehr oder weniger kuppige oder wellige bis ebene Grundmoränengebiet und vor ihr eine ebene, flach abfallende Sandfläche, vielfach durchiurcht von Schmelzwasserrinnen und Becken, in denen sich die feinsten Sedimente niederschlugen. Die Schmelzwasser sammelten sich endlich in gewaltigen Strömen, die in ungefährer OstWest-Richtung am jeweiligen Eisrand entlang flossen, die sog. Urstromtäler schufen und dem fernen Nordmeere ihre Fluten zuführten.

Aus der Schilderung der allgemeinen geologischen Verhältnisse des Blattes im I. Teile haben wir bereits gesehen, wie die diluvialen Bildungen des Gebietes diesen Verhältnissen entsprechend hier verbreitet sind; hier sei ihrer besonderen petrographischen Ausbildung gedacht.)

Das ältere Diluvium tritt zu Tage in dem größten Teil der Hoch­fläche zwischen Welzow und Spremberg, das jüngere greift nur noch mit vereinzelten Endmoränenablagerungen und Sanderabsätzen von Norden von Blatt Drebkau her auf unser Blatt über.

Im älteren Diluvium können wir unterscheiden: Geschiebelehm, Sand und Kies. Und zwar gehören die letzteren Bildungen teilweise noch 2 verschiedenen Perioden an, z. T. der zweiten oder Haupteiszeit und z. T. der ersten Zwischeneiszeit.

Dieser älteste Kies(dig) ist in den Braunkohletagebauen als das unmittelbare Hangende der miocänen Schichten fast überall sichtbar. Aber auch sonst tritt er vielfach im Gebiet der Sande der Haupteiszeit(ds) in Form von Durchragungen auf und ist hier oft durch Gruben erschlossen, wie z. B. im Kauscher Wald, am Wege GosdaKausche nahe der Zucker­straße, bei Gosda am Wege nach DollanWolkenberg und am östlichen Blattrande nördlich der Schäferei bei Josephsbrunn. Auf Grund des in ihm auftretenden, später beschriebenen Torfvorkommens wird er als inter­glazial betrachtet.

Es sind sehr grobe Kiese bis Schotter, die eine von den jüngeren Diluvialkiesen sehr abweichende petrographische Zusammensetzung zeigen. Sie enthalten fast gar kein nordisches Material, nur gelegentlich Feuer­steine, und bestehen fast ausschließlich aus Quarz, Kieselschiefer, Quarzit, Sandstein nebst zahlreichen Beimengungen von Quarzmineralien, wie Amethyst, Chalzedon und Jaspis. Achatgerölle, die weiter westwärts in der Gegend von Klettwitz, Hörlitz und Zschipkau so häufig sind, wurden nur 2 mal. gefunden. Örtlich sind diese Kiese durch alte Oberflächen­verwitterung stark zersetzt, sie sind in den Tagebauen der Grube Clara und in der Grube bei Josephsbrunn die hangendsten Schichten tief rost­