Teil eines Werkes 
Grad-Abtheilung 59, Blatt 5 [Neue Nr. 4050] (1923) Straupitz / bearb. durch F. Kaunhowen
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen

12\ Blatt Straupitz

a) Der Obere Sand im engeren Sinne Er ist direkt aus dem Eise an dessen Unterkante in ähnlicher Weise wie der Geschiebemergel zum Absatze gelangt, stellt also eine sandige Ausbildungsart des Geschiebe­mergels dar und enthält wie dieser regellos eingebettet Geschiebe aller Art und Größen Geschiebesand. Dann kann er auch bereits unter dem Eise oder bei dessen Rückzug durch Auswaschung des Geschiebemergels entstanden sein, indem diesem die feinen tonigen Teile durch Schmelzwasser entführt wurden, so daß nur die gröberen sandigen und die kiesigen Gemengteile zurückblieben. Diesen beiden Ablagerungsarten dürften die meisten der Oberen Sande ihre Entstehung verdanken, welche auf der Karte in den neapelgelben Flächen mit den Oker-Ringeln, Punkten und Kreuzen und der Einschreibung ds bezeichnet sind. Es sind die gegen dıe End­moränen ansteigenden Sandflächen unmittelbar hinter den Endmoränen­staffeln oder die als Inseln höheren Landes aus den Becken, Tälern und Sandern aufragenden Sandpartien. Die Oberflächenformen dieses Oberen Sandes treten meist wenig hervor, sind gerundet und abgeflacht; seine Oberfläche ist mehr. oder minder eben und wird nur unmittelbar im Rücken der Endmoränenstaffeln selbst lebhafter.

b) Der Sand der Endmoränen , auf der Karte dargestellt in den neapelgelben Flächen mit chineserroten Zeichen und der Einschreibung ds. Er ist, beladen mit dem ganzen vorhandenen Gesteinsmaterial, als Schutt unmittelbar am Rande des Inlandeises abgelagert worden und deutet in seinen wilden und abenteuerlichen, meist ganz unregelmäßigen Ober­flächenformen alle Zustände der Vorgänge am unmittelbaren Rande des riesigen Inlandeises an. Bald bildet er Gruppen völlig unregelmäßig gestalteter, steilwandiger Kuppen, mit zahlreichen abflußlosen Senken dazwischen, und seine Oberfläche erweckt Eindruck eines im wildesten Aufruhr erstarrten Meeres, bald wieder setzt er kürzere oder längere, breitere oder schäfere, in ihrer Höhe wechselnde Rücken zusammen. Das Verbreitungsgebiet der Endmoränensande ist bedeutend, es ist das aui­fallendste des ganzen Blattes. Sie setzen die landschaftlich reizvollsten, landwirtschaftlich aber wenig schätzbaren Flächen des Blattes zusammen.

Die Geschiebe- und Blockführung dieser Sande ist sehr verschieden, verdichtet sich aber nirgends zu Blockanhäufungen. Kalkgehalt fehlt auch diesen Sanden bis zu 2 m Tiefe fast immer. Im Nordwesten des Blattes, um den Briesener See, sind sie außerordentlich von Dünenbildung betroffen, die stellenweise so stark wird, daß die Formen der End­ moränen völlig verdeckt werden und ihr Verlauf im Einzelnen ‚schwer fest­zustellen ist.

Bis auf verschwindend kleine Flächen sind die Endmoränen sämtlich mit Nadelwald bestanden.

c) Der Sand der Sanderflächen stellt die dritte Entstehungsform des Oberen Sandes dar. Er ist ein fluvioglaziales Aufschüttungsprodukt; die dem Eisrande entströmenden, schuttbeladenen Schmelzwasser haben ihn abgesetzt; sämtliche im und unter dem Eise sowie an seinem Rande vor­handenen, durch die Schmelzwasser angreifbaren und erreichbaren Bildungen haben das Material dazu geliefert. Da die Transportkrait der Schmelzwasser mit ihrer Entfernung vom Eisrande abnimmt, so verringert sich damit auch die Korngröße des von ihnen abgesetzten Sandes. Das gröbste Material, die steinig-kiesigen Sande, wurden in der Nähe des