Teil eines Werkes 
1837 = [Neue Nr. 3446] (1937) Berlin-Nord : [geologische Karte] / geolog. und agronom. für die 2. Aufl. bearb. durch C. Dietz ; unter Benutzung der Aufnahme von G. Berendt vom Jahre 1881/82 für die bebauten Gebiete
Entstehung
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Oberflächengestalt und geologischer Bau des weiteren Gebietes 9

ausspringen. Sie sind, wie oben ausgeführt wurde, unter dem Eise in Tunneltälern abgelagert worden. Bekannt sind in der weiteren Um­gebung Berlins die Oser von Strausberg(W. WoLwFrF, 1926a) und von Rüdersdorf. Auch bei Berlin sind Oser zu finden, die weiter unten be­schrieben werden sollen.

Im Gelände zwischen dem Brandenburger Stadium und dem Frank­furter Stadium treten zahlreiche Kuppen und Höhenzüge auf, die sich nicht unmittelbar miteinander zu Eisrandlagen in Verbindung bringen lassen. Zunächst haben wir im Havelgebiet im W Berlins in großer Zahl geschichtete Sand- und Kiesanhäufungen, die man als Kames­bildungen bezeichnet. Sie sind durch Aufschüttungen in breiteren Eislücken entstanden. Diese Kames ziehen sich vornehmlich an den Ufern der Rinnenseen entlang, niemals verlaufen sie quer zu diesen. Die Kamesbildungen haben kein Vor- und kein Hinterland wie die End­moränen, auch für Osbildungen sind sie zu breit. Kamesbildungen sind östlich der Havel im Grunewald und bei Wannsee, sowie längs des Schwielowsees und am Zernsee zu beobachten. Auch am Krampnitzsee ist ein langgestreckter Kameszug vorhanden, der auf dem Truppen­übungsplatz Döberitz ausläuft. Daneben liegen kleinere Kames auf den Hochflächen verstreut. Auch im S und im SO Berlins sind solche Bil­dungen vorhanden, z. B. die Reiherberge bei Rangsdorf, die Berge bei Kallinchen, Motzen, Pätz und Prieros. Alle diese Sand- und Kies­kuppen lassen sich in keine der bekannten Eisrandlagen einordnen.

Untrennbar von diesen Aufschüttungen sind die in der Umgebung Berlins so weit verbreiteten Seen und Rinnen. Sie schaffen im Verein mit den Endmoränen, den Kamesbildungen und den Osern das in manchen Teilen so reizvolle Bild der Mark Brandenburg. Täler mit U-förmigem Querschnitt sind häufig. Liegen diese Täler im Bereich des Grundwassers, so wird ihr Boden von einem See ausgefüllt. Durch Landschwellen werden die Rinnen häufig unterbrochen; es entsteht eine perlschnurartige Anordnung der Seenkette, wie sie im Gebiete der Weichselvereisung häufig ist. Diese Täler sind sicher diluvialer Ent­stehung. Durch die Spaltenbildung im Eis wurde ein subglaziales Ab­flußsystem geschaffen, das sich durch Erosion, Aufschüttung und Um­lagerung die heutigen Formen schuf. Die unter dem Eise entstandenen Hohlformen wurden teilweise von nachstürzendem Eis ausgefüllt, das mit dem Schutt des Gletschers überdeckt wurde. Da wir wahrschein­lich mit dauernd gefrorenem Boden zu rechnen haben(Frostboden), konnte sich das Eis noch lange nach dem Rückzuge der Gletscher halten. Dieses gilt auch für die Rinnen im Bereich der Urstromtäler. Lange nachdem das umliegende Gebiet eisfrei war und nachdem die Schmelzwässer der weiter nördlich liegenden Endmoränenstaffeln einen anderen Abflußweg gefunden hatten, taute das Eis bei weichendem Bodenfrost auf. Hierdurch entstanden die schmalen, steilwandigen und langgestreckten Rinnenzüge, die sich von den Hochflächen in den