Teil eines Werkes 
1837 = [Neue Nr. 3446] (1937) Berlin-Nord : [geologische Karte] / geolog. und agronom. für die 2. Aufl. bearb. durch C. Dietz ; unter Benutzung der Aufnahme von G. Berendt vom Jahre 1881/82 für die bebauten Gebiete
Entstehung
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30 Quartär

Beim Vorrücken der Gletscher verfrachteten die an. der Stirnseite ausfließenden Wässer Sandmassen ins südliche Vorland, die sogen. Vorschüttungssande(ös,). Sobald das Interglazial II fehlt,

sind diese Sande kaum von den darunter liegenden Sanden der Saale-.

eiszeit zu trennen, bis jetzt fehlen Anhaltspunkte hierfür, daher sind die Vorschüttungssande in den Schnitten fortgelassen. Aus diesem Grunde"haben sie vorläufig noch die gleiche Signatur wie die Sand­einlagerungen im Geschiebemergel.

Der Geschiebemergel(0m) ist am Grunde des vorrückenden Gletschers(Grundmoräne) gebildet worden. In vielen Fällen enthält die Grundmoräne einen überwiegenden Anteil Materials der tiefer an­stehenden Schichten. Durch den Druck des darüber lastenden Eises wurden die Gesteine des tieferen Untergrundes, vor allem, wenn sie aus den lockeren Bildungen des Tertiärs bestanden, gestaucht und gefaltet. Hierbei wurden ganze Schollen der älteren Formationen von der Grundmoräne aufgenommen. Die Schuttmassen unter dem Gletscher wurden zu einem innigen Gemenge feiner Tonteilchen zerquetscht, die mit Sand, Kies und groben Geschieben durchsetzt sind. Im unver­witterten Zustande ist der Geschiebemergel grau und kalkhaltig. Bei der Verwitterung wird zuerst die Farbe durch die Zersetzung der Eisenverbindungen in braun übergeführt und dann der Kalkgehalt herausgelöst. Im untersuchten Gebiete ist der Geschiebemergel bis zu

einer durchschnittlichen Tiefe von 1,80 m entkalkt. Durch Aus-_

waschung der tonigen Bestandteile wird der Geschiebemergel stellen­weise an der Oberfläche sandig.

Der Geschiebemergel ist in zusammenhängenden großen Flächen auf der Barnim- und der Teltow-Hochfläche vorhanden, hier liefert er für die Siedlungen und für die Landwirtschaft einen ertragreichen Boden.

In manchen Teilen des Untersuchungsgebietes sind zwei Geschiebe­mergel übereinander zu erkennen, die durch Sande getrennt sind. Sie gehören beide zur jüngsten Eiszeit. Die untere Abteilung des Oberen Geschiebemergels wird durch tiefere Aufschlüsse in Berlin des öfteren freigelegt(F. KAUNHOWEN 1906). Dieser Geschiebemergel hat meistens eine dunkle Farbe und enthält häufig Paludinenschalen.

Die Sande(ös,) zwischen den beiden Geschiebemergeln werden im Untergrunde Berlins alsRixdorfer Horizont bezeichnet, da in ihnen die bekannte Rixdorfer Fauna gefunden worden ist. Die beiden von G. BERENDT(1882) beschriebenen Fundpunkte am Rande der Teltow-Hochfläche am Rathaus Neukölln und am Düsteren Keller in Tempelhof sind längst verfallen und überbaut, aber dafür sind neue Aufschlüsse in dieser Hochfläche entstanden, die auch Teile der Rix­dorfer Fauna zutage gebracht haben, so in Britz und in dem Rauhen Berge von Mariendorf. Auch in den tieferen Sanden unter dem Tal­

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