Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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von Beeren ließ es rundum gehen, witzelte und spöttelte und warf es dann ins Feuer.

Von dem Augenblick brach das Unheil herein, und schwere Schicksalsschläge kamen. Zweimal brach Feuer aus, Krieg und Mißwachs zerstörten die Ernte. Rasche Todesfälle rafften die Glieder der Familie fort. Zuletzt starb Geist von Beeren selbst, und mit ihm erlosch sein Geschlecht.

Theodor Fontane (Spreeland).

65. Der Brauer Schuhmann und Neu-Ruppin.

Vor alters wohnte in der Klosterstraße zu Neu-Ruppin ein reicher Brauer, namens Schuhmann. Die Mönche von der Klosterkirche tranken viel Bier. Mit ihnen kam er in Streit, und sie verdarben sein Geschäft. Er verarmte gänzlich. Nun verband er sich mit dem Teufel, und es ging wieder groß her. Wie dann der Vertrag um war, hörte man es abends spät leise klopfen, und Schuhmann schlich sich still aus dem Zimmer. Gleich darauf hörten seine Zechgenossen ein lautes Krachen in der Küche, gingen hin und sahen den Brauer mit zerschmetterten Gliedern am Feuerherd liegen. Der Teufel aber fuhr eben als schwarze Krähe zum Schornstein hinaus.

Schuhmanns Leiche konnte nicht auf dem Kirchhof beerdigt werden; Mönche, Priester und alle ehrbaren Leute der Stadt wollten sie nicht in der Nähe wissen. So versenkten seine Freunde sie unbemerkt in einen Morast. Seitdem ging der gottlose Brauer nachts um und suchte Gesellschaft. Er hockte auf und lauerte auch den Holzdieben auf; denn früher betrieben Ruppiner den Holzdiebstahl in der städtischen Heide im großen mit Pferden. Manchem Bösewicht drehte er den Hals um. Da kam einst spät auf der öden Wittstocker Straße ein reicher Schweinehändler ge­gangen. Der hatte viel betrogen, manchen kleinen Mann schänd­lich geschröpft und mancher armen Frau ein krankes Schwein statt eines gesunden verkauft, doch nie ersetzt, wenn es dann ver­endete. Jetzt wollte er mit ungerechtem Gut sich zur Ruhe setzen. Da erfaßte ihn Schuhmann, und beide versanken in die Tiefe.

Wilibald von Schulenburg (Landeskunde der Provinz Brandenburg).