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Doch as se kom'n noh Perl'berg ran, wo'n schönen Weitenslag füng an*), seggt Klok to Schmok:
„De ok!-)"
Hermann Gräbke.
75. Die beiden Frauen zu Aulosen.
Vor vielen hundert Jahren lebte auf seinem Schlosse zu Aulosen in der Wische ein Herr von Jagow. Er hatte eine Frau und viele Kinder; aber weil er sehr fromm und gottesfürchtig war, so ließ er alles im Stich und zog mit den deutschen Herren in den Türkenkrieg, um den Erbfeind des christlichen Glaubens besiegen zu helfen.
Dort ging es ihm indes sehr schlecht. Er wurde gefangen und als Sklave verkauft. Er kam als Gärtner zu einem vornehmen türkischen Herrn. Die Tochter dieses Türken kam oft in den Garten, in dem er arbeitete, sah ihn und hatte ihr Gefallen an ihm, weil er ein sehr schöner und schmucker Herr war. Sie fühlte auch bald Mitleid mit seinem Unglück, und endlich hatte sie ihn in ihrem Herzen so lieb gewonnen, daß sie nicht mehr von ihm lassen konnte. Der Ritter merkte das alles wohl, und obgleich er seine Gemahlin mit seinem ganzen Herzen liebte, so war er doch auch der Türkentochter gut, weil er durch ihre Hilfe hoffen konnte, seine Freiheit zu erlangen und seine Hausfrau, seine lieben Kinder und seine Heimat wiederzusehen. Deswegen versprach er ihr, sie neben seiner Gemahlin zu heiraten, wenn sie ihn befreien und zum christlichen Glauben übertreten wolle. Dazu war sie gern bereit. Sie entfloh glücklich mit ihm aus seiner Sklaverei. In Deutschland wurde sie eine Christin und dann durch die Dispensation des Papstes seine Hausfrau.
Es war gerade am Grünen Donnerstag des Mittags, als der Ritter mit der gewesenen Türkin auf seinem Schlosse zu Aulosen ankam. Seine deutsche Hausfrau und seine Kinder saßen am Mittagstisch und aßen Erbsen und Stockfisch. Sie freuten sich sehr, wie sie ihren Herrn und Vater wiedersahen, den sie
*) anfing; h der auch.
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