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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
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fasser hat. Rapaport, der sich weit genug vom altgläubigen Judcnthnm entfernt hat, konnte es als Talmudgelehrter denn doch nicht über sich bringen, die so wohl- bekannte Sprache des R. Hai Gaon mit dem Goldgewichte jedes Wortes der blühen Tendenz zu Liebe und ans die Unwissenheit des Leserkreises spekulirend, zu ver­leugnen. Es gehört endlich gar große Kühnheit dazu, die ganze Unverfrorenheit, die Zeugnisse der nächsten Zeitgenossen, Raschi's, des Arnch und der -rossafisten, über die unbestrittene Autorschaft R. Hai Gaon's zu ignorircn.

Die altadelige Familie der Kalonymiden, welcher fast sännntliche hervor­ragenden Gelehrten, Zierden des Jndenthums am Rheine und in Frankreich, und in einem anderen Zweige in Navarra und der Provence, entsprossen, war in den­selben Traditionen ausgewachsen. Mail vergleiche, Inas R. Inda hachassid im Sefer Chaßidim Z 1164 darüber sagt. Dieser Schule gehörte auch der Rabed an, der Erste, der öffentlich als Mann prophetischer Offenbarungen auftrat und so die lebendige Bestätigung der geheimen Tradition des großen Maiinonides von dein Wiederaufleben der Prophetie in seinem Zeitalter lieferte. - - Schon im Thcil I, 3 beruft er sich auf eine prophetische Mittheilung über die Zahl der Arten beim Lulab. Einzelne Skeptiker haben dies jedoch nur für eine fromme Redensart erklären wollen. Das verfängt aber nicht bei einer Stelle, an welcher die hauptsächlichtc und entscheidenfte Meinungsverschiedenheit, die ihn von Maiinonides trennt, durch eine direkte Offenbarung begründet wird. Bei der Aktualität des betreffenden Gegenstandes wollen wir den Tert wörtlich übersehen.

Maimonid es schreibt in Mil'cbot bet bab'cbirnb 6,14, nachdem er die Form vorgeschricben, in welcher die Einweihung des Tempels stattzufinden hat. Folgendes:Jeder Platz, der nicht mit allen diesen eingeweiht wurde, ist nicht vollständig geheiligt, lind wenn Esra nur 2 Dankesreihen ausgestellt bat, so hat er nur eine Gedächtnißseier damit veranstaltet', seine Funktion hat den Platz nicht geheiligt, denn cs war weder ein König noch waren die von Gott vorgcschriebencn Mriin ev'tnmim dabei. Womit ist also der zweite Tempel geheiligt worden? Durch die erste Heiligung, welche König Salomo vorgenommen hat. Er heiligte den Tempelraum und Jerusalem für damals und für alle Zukunft, deshalb darf man heute dort alle Opfer darbrinaen, obwohl der Tempel nicht steht, und man dürste in dem Vorraume das Fleisch der -Opferthicre verzehren, trotzdem derselbe jetzt wüst liegt und von keiner Mauer umgeben ist. (So war es zu Maimonides' Zeiten.t Und man dürfte die leichten Opfer und den Zehnten in ganz Jerusalem verzehren, obwohl es keine Mauern hat. Denn die erste Heiligkeit hat cs für damals und für alle Zukunft geheiligt. Warum, wird inan tragen, behaupte ich dies mir für die Tempelstätte und Jerusalem und nicht auch für das übrige Palästina, von dem ich behaupte, daß es hinsichtlich des Brachjahres und der Zehnten heutzutage nicht geheiligt und verpflichtet sei? Weil die Herrlichkeit des Tempels und Jernsalem's durch den Wohnsitz Gottes hergestellt wurde, eine Heiligung, die durch nichts auf- gehoben werden kann, wie die Thora sagt: Jch-werde Eure heiligen Stätten ver­wüsten lassen, wozu unsere Weisen bemerken: obwohl verwüstet, bleiben sie doch in ihrer Heiligkeit. Dagegen hängt die Verpflichtung des Landes für das Brachiahr und die Zehnten von der Besitznahme durch die Eroberung ab, die durch die Ver­treibung aufgehört hat und von Esra nvr unvollständig und nur für die tbatsäckilich wieder in Besitz genommenen Ortschaften wiederhergestellt wurde, so daß diese Verpflichtung nur für diese durch die zweite Heiligung Esra's erworbenen Orte weiter besteht."

Dazu bemerkt der Rabed:Das ist seine persönliche Ansichtich weiß nicht, woher er sie nimmt. Wir finden hingegen an manchen Stellen in der