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„Kreis" ebenso) das runde Brod, llarkar „tanzen, sich im Kreise drehen", „andere umdrehen." Noch ein dritter Gaumenlaut, das,), wird für die Rundung gebraucht, ^) „die Welle", der Haufen, 2)2) „das Rad", ^)X „der Tropfen", NI) und N)N) „die runden Samen und Beeren". Wir finden in allen diesen zweitheiligen Grundwurzeln die Konsonanten l und r als untergeordnete Helfer für die, das eigentliche Bild der Rundung ausdrückenden Gaumenlaute.. Ebenso bei ^2, ^2 „dem figürlichen Kreise", >^2 „das runde Gefäß". Woher stammt dieses Bild der Rundung, das sich so konsequent der Gaumenlaute bedient? Der Gaumen ist eben die innere Rundung, welche der äußeren der Hirnschale parallel läuft, er bildet gleichsam die Hirnschale für die Sprach- und Stimmorgane. Da er zugleich das höchstliegende Sprachorgan ist, und von feinen Lauten wiederum das ) aus der höchsten Lage kommt, so wird dieser Buchstabe allein für das Bild der Höhe und Größe gebraucht. )) „das Dach", das der Römer wie der Germane nach der von ihm aufgewandten Thätigkeit von teuere und „decken", also induktiv a posteriori durch die Erfahrung benennt, gibt die Ursprache in einem intuitiven Bilde wieder. In NX) „hoch sein", „Stolz", bildet das ) den einzigen Wurzelkonsonanten und in der so merkwürdig durchgeführten Anwendung ein und desselben Bildes für den Gegensatz, dem wir im Hebräischen so häufig begegnen, tN) „die Niederung, das Thal". Der innere Sinn ist eben nicht nur Künstler, sondern auch Philosoph, der die innere Verwandschaft der Gegensätze im Geistesblitze erfaßt. Nach Gesetzen der Lautcharactere, die für unser kleinliches, bewußtes Denken nicht mehr erkennbar find, werden dann die verschiedensten Konsonanten zur Hilfeleistung herbeigezogen, um verschiedene, ähnliche Associationen zu bilden, wie 2), N2), N2), ^2) „der Berg" im Arabischen, P2), 22), bis j?2) u. s. w.
Diese Beispiele genügen zur Beleuchtung des jüdischen Lehrsatzes, daß die Sprache die Schrift, und zwar die stenographische eines gebildeten Geistes ist, nicht etwa das Lallen trunkener Kanibalen, zugleich ein Zeugniß des Wirkens einer esoterischen, dem niederen Bewußtsein weit überlegenen Sphäre.
- Dennoch stellt der Talmud den Satz auf: Elmcbam aäit minadi und behauptet demnach die Ueberlegenheit des Exoterischen über das Esoterische. An einer andern Stelle wird im Talmud zwar scheinbar die entgegengesetzte Ansicht ausgesprochen. Es heißt in Megilla 3 zu dem Verse Daniel 10,7: Und ich, Daniel, sah allein die Erscheinung, und die Männer, welche mit mir waren, sahen die Erscheinung nicht, aber ein großer Schrecken befiel sie, sodaß sie in ein Versteck flüchteten. Der Talmud sagt: Diese Männer waren Chaggai, Secharja und Maleachi. Sie standen höher als Daniel, denn sie waren Propheten und er war es nicht. Er war ihnen wieder darin überlegen, daß er die Erscheinung sah und sie dieselbe nicht sahen. Hier ist also ein vollständiger Rangwechsel eingetreten, denn Daniel ist ja gerade derjenige, dem von Ezechiel das Attribut des höchsten Weisen, Ebaclmm, beigelegt 'wird, welcher nun doch unter dem Range eines Propheten stehen soll, während andrerseits nicht zu begreifen ist, daß er prophetische Fähigkeiten besitzt, die dem wirklichen Propheten abgehen. Raschi's Erklärung löst die erste Schwierigkeit, indem er sagt, daß der Vorrang des Propheten darin besteht, daß er mit Ermahnungen und Verkündigungen an Israel geschickt wurde, was bei Daniel nicht der Fall war. Damit ist auch die Erklärung von bladi als Sprecher und Fürsprecher, als Organ der göttlichen Weltleitung, glänzend bestätigt.
Gleichzeitig finden wir in Daniel das von R. Hai Gaon aufgestellte Prinzip vrkörpert, daß ganz unabhängig von der Prophetie und deren Bestände