72
endlich wieder zu sich kam, sagte er, cs sei ihm gelungen, den Beschluß rückgängig zu machen. Die Tannaim und Amoraim seien über das Treiben der zeitgenössischen Gelehrten zu Gericht gesesseu, welche die Lehre, das Bindemittel zwischen Israel und seinem Gotte, zu einem Tummelplätze des wildesten und rücksichtslosesten Egoismus, zu einem Kampfe Aller gegen Alle mißbraucht haben. So sagt David: „Die Worte des Ewigen sind reine Worte, Silber geläutert im Schmelzofen des Irdischen, siebenfach gereinigt. Du, o Ewiger, hüte sie, bewahre sie vor diesem Geschlecht auf ewig!"
Nun, so ganz spurlos ist die Gefahr nicht vorübergegangen. Die verödeten Pflanzstätten jüdischer Wissenschaft im Westen legen trauriges Zeugnis; dafür ab. Die kostbaren Kleinodien unseres geistigen Schatzes, die 24 llacbscbitin, wie der Sohar die 24 Bücher der heiligen Schrift nennt, das Entzücken aller wirklichen Weisen auch unter den Völkern, sind mit Füßen getreten, aus den Herzen unsrer Jugend gerissen worden. Erst in neuester Zeit mußte die Erde ihren Mund auf- thun, um Zeuguiß abzulegen für die wunderbare Genauigkeit einer einzig dastehenden Geschichtsschreibung.
Der Vorwurf Grätz ', daß Daniel die Geschichte der Perserkönige gegen den fünffach kontrolirten ptolemäischen Kanon in Uebereinstimmung mit der talmudischen Zeitrechnung bei dem vierten König abschließen läßt, beruht auf einem jener Jrrthümer, bei denen er, wie so häufig, ohne kritische Prüfung der alten Erklärer hineingefallen ist.
Zur besseren Verständlichkeit dieser wichtigen Auseinandersetzung müssen wir einen der berühmtesten Gelehrten des Mittelalters, einen Zeitgenossen des Maimonides, den Laal Imnmor, R. Serachja den Proven^alen, citiren, dessen AbhandlunMlber dieses'Thema den neuen Forschern gänzlich unbekannt geblieben ist. -— Nichr als ob wir diese Art Forschung herabsetzen wollten. Wie viele schlaflose Nächte mag es dem großen Nerwauer gekostet haben, bis er herausgefunden hat, daß es zwei Mahram RPenburg gegeben hat, einen Mahram und einen Mahramna. Na, da ist ihm halt ein-kleines Malheur passirt. Dieses ng. (p"5) bedeutet nämlich als Anfangsbuchstaben: sNP „Seine Seele ruht im
Paradiese", eine Formel, die dem Namen des Verstorbenen, wie üblich, von seinen Zeitgenossen beigefügt wurde. — Also zum Baal bamaor! Derselbe schreibt auf dem ersten Blatte zum ll.it (Rosch haschanah) Reihe 15: R. Josef fragt im Talmud Baba batra: Auf diese Art würden sich die Bibelstellen widersprechen, und erhält die Antwort, daß es sich um verschiedene Perserköniige handle, an einer Stelle von Cyrus, an der anderen von Darius, an der dritten von Artaxerres die Rede sei. Darauf erwidert er mit der Ansicht einer Tosefta, daß Koresch, Darjawesch und Artachschaschta Titel ein und desselben Königs seien. (Anm. Es sei hier erwähnt, daß die persischen Chroniken der zur Zeit der Amoräer herrschenden Dynastie des Königs Sapor dieselbe Ansicht aussprechen zum Befremden der
Historiker, die den unbegreiflichen Fall konstatiren, daß die Geschichte der alten Perser so bei ihren Nachfolgern in Vergessenheit gerathen konnte. Der Vorwurf trifft daher den Talmud nicht.) R. Serachja fährt nun fort: Die Erklärung dazu ist, daß R. Josef es für ausgemacht hielt, daß diese 3 Namen ein und demselben Könige angehören. — Dann sagt er Reihe 35: Diese Ansicht wird aber von den Gegnern R. Josef's im Talmud nicht getheilt. — Dann Reihe 41: Auch R. Abahu schien es so, daß dem Einen drei verschiedene Namen beigelegt wurden. Reihe 63 fährt er fort: Aber die richtige Erklärung nach dem einfachen Sinne der Schrift ist die, daß es drei verschiedene Könige find, nur daß diese drei zusammen genannt