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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
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Werden, weil unter ihrer Regierung der Tempelbau gefördert wurde, aber der spätere Artarerxes ist keineswegs mit dein ersten Artaxerxes identisch, welcher den Tempelbau zu sistiren befahl. Die drei sind nur zusammen genannt, um ihnen gleichmäßig Lob und Verdienst zu ertheilen. Soweit der Uaal Imnmor in Ueber­einstimmung mit der Reihenfolge der Perserkönige nach dein ptolemäischen Kanon, wie sie ja auch in Esra 4 nach dem einfachen Wortlaute festgehalten erscheint. Nach der entgegenstehenden, vom Laal lmmaor abgewiefcncn Ansicht mußte nun der Vers in Daniel 11,2:Noch drei Könige werden den Persern erstehen, dann wird ein vierter große Reichthümer, anhäufen und in seiner Macht in seinem Reichthume P'' "w''" aus Alexander gedeutet und unverständlich übersetzt

worden:wird alles der König der Griechen ausregen." Daß diese Uebersetzung unmöglich ist, geht erstens aus dem Akkusatil^stt hervor, woder Grieche" Objekt ist und Subjekt. Ferner ist nichtder König", sonderndas

Reich". Drittens kann es sich nicht auf Alexander beziehen, denn es folgt erst nochmals:Und es wird aufstehen ein Heldenkönig". Die wirkliche Uebersetzung - ist die, daß nach den drei Königen, von denen die Rede ist, ein vierter und zwar Ahasverus, dessen Identität mit Lerxes Herste außer Zweifel gestellt ist, in seiner Macht und seinem Reichthume Alles, das heißt: den ganzen Orient zum Kampfe gegen den Staat der Griechen aufrufen und damit dm Keim zum Untergange des Perserreiches legen wird. So war es thatsächlich, und da nur diese Eventualität in der Voraussagung in'A Auge gefaßt, aber keinerlei Chronik der Perserkönige beabsichtigt war, so wird die Schlußentwickelung der Perscrherrschaft in ihrem Ver­falle vollständig ignorirt und aus die aus den Perserkriegen mit den Griechen her­vorgegangene Unternehmung Alexander's übergegangen.

Nun hat schon der alte de Rosst im Neor Uimjirn in die jüdische Zeit­rechnung eine Bresche zu legen vermeint durch die Differenz der Regierungsdauer der Perserkönige. Aber gegen die gottbegnadeten Weisen des Talmud sind seine Pfeile wirkungslos gebliebm. Merkwürdiger Weise war es dem Aegyptologen Lepsius Vorbehalten, die Richtigkeit der jüdischen Zeitrechnung zu bezeugen, indem er aus ägyptischen Quellen nachwies, daß das Auftreten Alexanders des Großen genau ein Jahrtausend nach dem Auszuge der Juden aus Aegypten erfolgte. Da der Auszug im Jahre 2448 jüdischer Zeitrechnung stattfand, so bleibt für Alexander das Jahr 3448 in voller Uebereinstimmung mit dem Talmud. Die Schwierigkeit der chronologischen, Uebereinstimmung löst Lepsius nicht- mehr auf Kosten des Talmud, sondern vielmehr aus höchst originelle Weise, daß er in der Angabe des Tempelbaues 480 Jahre nach dem Auszuge aus Aegypten ebenso eine symbolische Zahl, nach einem uns nicht mehr zugänglichen Systeme, erblickt, wie in der Zahl 430, welche der Pentateuch für den Aufenthalt in Aegypten angiebt, obwohl seit Jakob's Einwanderung dafür nur 210 Jahre zu verwenden sind.

Dieser Exkurs war nothwendig, um uns einen Weg' durch das Gestrüpp der Vorurtheile zu bahnen, die bei dem angeborenen Konservatismus unserer Ungläubigen, wenn nicht zu Dogmen, so doch zu fixen Ideen geworden sind. Die zwei subjektiv grundverschiedenen Begriffssphären von Oduedam und Hindi, Weiser und Prophet, entsprechen nach der Erklärung des R. Israel Koziniecer zwei verschiedenen Systemen, der Freiheit und der Gesetzmäßigkeit, in der Schöpfung sowohl wie in der Weltlcitung, deren scheinbare Unvereinbarkeit zu der Kollision zwischen NP'N' und Prädestination und Determination in dem

menschlichen Begriffsvermögen, geführt hat. Maimonides löst diese Schwierigkeit vom transcendentalen Standpunkte des chsin, der^Unsaßbarkeit des über menschliche

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