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Begriffe unendlich erhabenen höchsten Wesens. Der kudocl beantwortet die Frage von seinem subjektiven prophetischen Standpunkte aus, indem er die Pärdestination der Weltleitung mit der in ein gewisses Dunkel gehüllten übernatürlichen Voraussicht des Sehers vergleicht. Der obgenannte Weise R. Israel erklärt kurz und /scharf,
. daß die tiefsinnigsten und geistreichsten Lösungsversuche in letzter Reihe doch immer zu dem von Maimonides eingeschlagenen Wege zurückkommen müssen. Dagegen erklärt er im Namen seines Lehrers, des R. Dowber von Meseritsch, diese Widersprüche gleichsam auf technischem Wege, indem er an das Wörtchen 718t anknüpft, das in Nachmanides' Thora-Kommentar eine so bedeutende Rolle als Logarithme der Weltleitung einnimmt, wie folgt: Es giebt zwei Welttafeln: die eine die der Gesetzmäßigkeit, in welcher der Entwickelungsgang der Schöpfung von Anfang bis zu Ende vorgeschrieben und bestimmt iü. Diese wird durch den Buchstaben die
Siebenzahl, repräsentirt, welche den Kreislauf der Natur versinnlicht, wie dies der ^lwAAicl bei R. Josef Karo in ?. M86iiputiui aus der Jncubationszeit der Krankheiten und sonstigen Vorgängen in der Natur beweist, in denen die Sieben als Naturwende und nicht als bloße willkürliche Symbolik erscheint.
Die zweite Tafel ist die der Freiheit, welche der menschlichen Initiative durch die Wege der Thora einen Eingriff in die Gesetzmäßigkeit ermöglicht. Diese veranschaulicht der zweite Theil des Wortes in den Buchstaben 718, dem Anfänge < und Schluß des Alphabets, der Buchstaben der Thora. Als Beispiel wählt R. Israel das ^latzdui, die Sintflut.
Maimonides bekämpft zwar in seinen Briefen die Ansicht der Astronomen seiner Zeit, welche diese Flut auf eine astrologische Konstellation der Gestirne zurückführen wollten, ähnlich wie heutzutage Falb auf eine astronomische Konstellation. Die Kabbala findet diese Ansicht nicht absolut verwerflich, sondern als einseitige und rein äußerliche Erscheinung innerer Vorgänge korrekturbedürftig. Wer die Vorgänge in der Natur nur von der mechanischen, rein äußerlichen Seite betrachtet, der gleiche, dem gedankenlosen Thiere, das den Schlag empfindet, den ihm der Stab des Hirten versetzt, das nun wohl einen Causalnexus zwischen seinem Schmerzgefühle und diesem Ltabe konstruirt, aber nicht zu der Erkenntniß kommt, daß dieser Stab von einer Hand und diese Hand von einem Willen in Bewegung gesetzt wird.
R. Mose Chajim Luzzato (1730) geht in seiner unvergleichlichen Kosmogonie im Xlucll tz 52, Seite 69, (M. Krakau 1880) noch viel weiter, indem er behauptet, daß das Nudbul, rein äußerlich in der kabbalistischen Vision betrachtet, als ein atavistischer Rückfall in die daseinsfeindlichen Katastrophen des Tohu der Vor- / schöpfung zu betrachten sei, wie denn überhaupt die ersten zwei Jahrtausende der Schöpfung, die 1N71 ll^D^8 des Talmud, mit ihren gigantischen biologischen Verhältnissen, wie wir sie noch bei speziellen Baumarten beobachten, als Uebergangs- und Mittelglied zwischen ll'olin und llMirun zu betrachten seien.
R. Israel Koziniecer hingegen beschränkt sich darauf zu sagen, daß in der Welttafel der Gesetzmäßigkeit der Zeitpunkt für das Eintreffen des Nubbnl für alle Fälle festgesetzt war, weil mit demselben der Eintritt der Regenbildung aus der Erde überhaupt zu beginnen hatte. Es gab vorher nach dem Midrasch (vergleiche auch den Pijut von Schebuoth: >st18N sv 182 12^2) keine Wolkenbildung.
Die Erde wurde nicht durch astralische, sondern nur durch tcllnrischc Grundwasfer gespeist, ein Zustand, von welchem Aegypten als Zeugniß zurückgeblieben ist. Deshalb war der Regenbogen das neugebildcte Bnndeszeichcn. Wenn also die Menschheit den ihr vorgeschriebenen Entwickelungsgang zu einem veredelten Dasein eingehakten hätte und nicht der fürchterlichen Entartung verfallen wäre, wie sie die Thora schildert, so wäre aus der Flut ein segensreicher Regen (N212 geworden. In der