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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
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scilcm und Safet, in welchem sich die Elite der sephardischeu Rabbiner, leuchtende Gestalten von Heiligstein Lebenswandel, mlsschließlich mit Kabbala beschäftigte, gab cs in Liberias einen Rabbiner Chain: aus dem uralten Adelsgeschlechte Abulafia, der grenzenlose Verehrung genoß, dem auch R. Chaim ben Atac von Jerusalem aus einen Besuch abstattete.

Alle Anderen überragte jedoch die hehre Erscheinung eines aus Deinen geflüchteten Mannes, R. SchaIo m mit dem Beinamen Schrebi, dem Namen seines Geburtsortes in Nennen. Es ist der erste Gelehrte aus jenem verschollenen Erdenwinkel, dessen jüdische Bewohner ihr Exil seit der Zerstörung des ersten Tempels, ja sogar seit Errichtung jüdischer Faktoreien in Aden durch den König Salomo datiren, der in den Kreisen europäischer Juden einen hervorragenden Rang einzunehmen vermochte. Jene Juden, die unter einer urarabischen, jede assimilatorische Berührung und jedes Proselytenthum ausschließenden Bevöl­kerung die uralte Eigenthümlichkeit des Juden am reinsten bewahrt haben, sich ' durch große Geistesschärfe und erstaunliches Gedächtniß auszeichnen, dabei in der furchtbarsten Leidensschule des Exils gestählt und gehärtet erscheinen, haben die uralte Exklusivität der Sitten aus der Zeit der Tanaim und ihrer Vorgänger be­wahrt, wonach das Torastudium auf keinerlei Umwegen als Broterwerb benutzt, werden darf. Ihre Rabbiner finden, wie R. Jochanan Hamucklar, der Sandalen- mazcher, wie R. Josua ben Chananja, der Schmied, wie Choni Hameagel, der Dachdecker, ihren Erwerb im schwersten Handwerke oder im Handel. Ri Schalom Schrebi hausirte als Jüngling von 18 Jahren mit Bändern in den unwegsamen, himmelhohen Bergdörfern. Sein hoher Wuchs und seine Schönheit zogen die Aufmerksamkeit der Frau eines arabischem Schecks auf sich, die den Vorüber­gehenden in ihr aus einem steilen Felsen lregendes Haus rief und gerade so wie es der Talmud von R. Kahana berichtet, ein unzüchtiges Begehren an ihn richtete. Da er nur die Wahl zwischen Sünde und Tod hatte, stellte er sich, als wollte er ihr willfahren, schützte jedoch ein augenblickliches Bedürfniß vor, ließ seine Waaren zurück, begab sich an den über dem Abgrund befindlichen Anstandsort und sprang in die Tiefe. Unversehrt geblieben, gelang es ihm, auf unwegsamen Pfaden zu entfliehen, ans Meer zu kommen und sich nach Palästina einzuschiffen.

Azulai meint, daß es seit R. Chaim Vital keinen ihm gleichen Mann ge­geben habe, der die zu den: wahren Verständniß der lurianischen Disziplin nothwendigen, fast prophetischest Eigenschaften besessen habe, anstatit wie die Schüler Vital's und ihre Epigonen über das bloße Studium der Schriften nicht herauszukommen.

Dasselbe erhellt auch aus Schrebi's Schriften, den Glossen zum llx Oi.fi im und einem selbständigen Werke dmlmr Lcbalom, worin er 70 an ihn gerichtete Fragen der Gelehrten von Tunis beantwortet, vor Allem jedoch Protest gegen das System einlegt, nach welchem sie diese Wissenschaft betreiben, und die ganze nach Vital entstandene Litteratur darüber als unbrauchbar verwirft.

Daß in einer solchen Umgebung ein verhältnißmäßig junger Mann, wie R. Chaim Len Atar, während eines einjährigen Aufenthaltes, bei der eigen- thümlichen Zurückgezogenheit, die er der Kabbala gegenüber einnahm, bei seiner Vorliebe für die altrabbinische Disziplin in Halacha, Derascha und Maimonides, verbunden mit einer neuartigen, ganz unverstandenen Philosophie weder be- soudre Beachtung noch besondren Anklang finden konnte, außer durch die fieberlegenheit des Geistes, die seine persönliche Erscheinung auf so kurze Zeit manisestirte, ist einleuchtend.

Dem Seherauge des Einsiedlers in der Einsamkeit des Beskidengebirges entging die wahre Bedeutung dieses Mannes nicht. Er sandte seinen Schwager