R. Gerschon Kitower, einen bedeutenden Gelehrten (s. o.) nach Jerusalem, und trug ihm auf, sich in die geheime Jeschiba Eingang zu verschaffen, in welcher R. Chaim ben Atar außer der öffentlichen Jeschiba, vor einem gewählten Kreise in strengster Abgeschlossenheit Kabbala tradirte, und seine Aufmerksamkeit aus ihn, den Balschemtow, zu lenken. Endlich entschloß er sich selbst im Frühjahr 1743 seine Thätigkeit in Polen aufzugeben und nach Jerusalem zu Ben Atar zu wandern. Er kam nach vielen Fährnissen nach Konstantinopel, besuchte daselbst das Grab des großen R. Naftali Cohen-Zedek, der auf der Reise nach Palästina 24 Jahre vorher daselbst das Zeitliche gesegnet hatte, und erhielt dort den Befehl umzukehren und seine Aufgabe für die Heimath zu erfüllen. Er schiffte sich am dritten Pesachtage nach Odessa ein, das Schiff wurde von einem türkischen Piraten gekapert und der Baischein am letzten Pesachfeiertage in Kilia an der Donaumündung ans Land gesetzt. Als Dank für seine Errettung führte er in das Rituale den Dankespsalm 107 ein, der die Errettung aus der Wüste, dem Kerker, aus Krankheit und dem Meere in Dankeshymnen preist. Derselbe wird noch heute als Einleitung des Sabbaths Freitag vor Mincha gebetet. Dazu hat R. Israel Balschemtow Erläuterungen verfaßt, in denen sein ganzes Programm niedergelegt erscheint.
Drei Monate nach seiner Rückkehr, am Freitag, den 15. Tamus 1743, starb R. Chaim ben Atar zu Jerusalem. Eine Tradition der Sephardim besagt, daß an demselben Tage R. Chaim Abulafia in Liberias nach dem Gebete, nachdem er eine halbe Stunde mit dem Kopfe auf dein Tische ruhend, zugebracht, sich dann erhob und sagte: R. Chaim ben Atar ist gestorben, ich habe ihm bis an das Gan Eden das Geleite gegeben.
Am Sabbath U. Uincbas, der auf diesen Freitag folgte, wusch der Balschem, der sich in Meseritfch niedergelassen hatte, zu der dritten, der Nachmittagsmahlzeit, seine-Hände und nachdem er den ersten Bissen gegessen hatte, sagt er "II N22
das heißt: das westliche, das Hauptlicht des Tempelleuchters ist erloschen.
Da der Balschem am Sabbath nur Hebräisch sprach und sich auch darin in keinerlei Gespräch einließ, so war es Sitte, ihn nach Sabbathausgang über etwaige Aussprüche auszufragen. Er sagte, er habe damit gemeint, daß R. Chaim ben Mar nicht mehr da "sei., ^"IIM ist zugleich die Benennung für die marokkanischen Juden, Bewohner des äußersten Westens. Als man ihn fragte, woher er das wisse, antwortete er: Es giebt eine Laveonob (tiefer Gedanke) in kletilas jnäajim, dem Waschen vor dem Essen, welche nur einem Einzigen im ganzen Zeitalter mitgetheilt wird. Ich habe mich vergeblich darum bemüht, denn sie war im Besitze des Or baclmjiin. Als ich mir heute die Hände wusch, wurde sie mir mitgetheilt; der Or bactmstni kann daher nicht mehr unter den Lebenden weilen.
Es ist beachtenswertst, daß der Balschem trotz des außerordentlichen Nimbus, der sich um seinen Namen verbreitete, darauf bedacht war, die Ueber- schwänglichkeit seiner Anhänger aus einen größeren Zeitgenossen abzuleiten. Nichts war ihm verhaßter, als Selbstgefühl. Er pflegte zu sagen, daß man sich bis zur letzten Minute vor der leisesten Selbstreflexion (D2P hüten
muß. Man muß bedacht sein, beim letzten Athemzuge die Füße nicht mit einen: gewissen Selbstgefühl auszustrecken. Und als man ihn auf seinem Sterbelager vor sich hin sprechen hörte und sich über ihn beugte, vernahm man die Worte: NIX) ^>21 („Es komme nicht über mich der Schritt des Stolzes!).
Uebrigens ist das uralte jüdische Ethik, wenn auch lange Zeit in Vergessenheit gerathene. Der Talmud berichtete, daß R. Akiba zu grausamem Tode