schlossen sie ihrem Hasse gegen die RaLbaniten dadurch Ausdruck zu geben, daß sie ein Exemplar des Maimonides unter die Stiege legten, um den Rabbiner verhöhnen zu können, daß er daraus mit Füßen getreten habe. Als ben Atar ankam, blieb er stehen, und besahl die Stiegen zu untersuchen. Man fand das Rambamexemplar, und er fluchte den Karaiten, daß sie fortan in Jerusalem das eine Minjan von zehn Erwachsenen nicht mehr erreichen sollen. Durch Generationen hindurch sollen sie sich vergebens bemüht haben durch Zuzug aus asiatischen Karäergemeinden die durch den Tod gerissenen Lücken zu ersetzen.
Mau ersieht daraus, daß R. Chaim, ohne den Namen eines Balschem (Wunderthäter) zu tragen, dennoch allgemein als solcher betrachtet wurde.
Er selbst, obwohl er sich in Allem, was die Mystik berührt, die größte Zurückhaltung auserlegt, kann nicht umhin, sich an einer Stelle als solcher zu deklarireu und zwar zu Gen. 49, 11 im Kommentar zum Verse NN'P '»ION, wo er von einem Kampfe berichtet, den er in der Vision mit den Genien der 3üra acllra abgehalten habe.
Der Wunderglaube ist nämlich nicht, wie andere gern behaupten möchten, die Domäne des Chaßidismus, sondern auch während des Exils in allen Schichten des gläubigen Judeuthums durch alle Zeiten verbreitet. Daß derselbe ein unerschütterliches Dogma der jüdischen Religion ist, dürfte Wohl Niemand zu bestreiten wagen. Wer nicht an die durch Mose und die Propheten vollbrachten Wunder glaubt, der ist kein Jude mehr.
Die alten Hellenisten und Aufklärer wollten ihren Unglauben hinter der Ausflucht verstecken, daß die Wunder mit dem Aufhören der Prophetie unmöglich geworden seien, und wenn der Talmud andrer Meinung ist, so sei das keine Halacha, gegen deren Festsetzung kein Widerspruch erlaubt sei. Ihnen tritt R. Hai in dem bereits erwähnten Responsum 99 entgegen.
Wenn der Prophet Elia schwören konnte, daß das Erscheinen des Regens in Palästina durch drei Jahre in seine Hand gegeben Warden sei, so berichtet die an Wundererzählungen sonst so arme Mischnah (Taanit III, 7) ganz dasselbe von Choni Hameagek. Ebenso berichtet sie von der Wunderkraft des Gebetes bei R. Chanina ben Dosa (Berachot V, 5), der, ohne Anspruch Prophet zu sein, vorausfagte, ob sein Gebet erhört worden sei oder nicht, und von den höchsten Autoritäten seiner Zeit/ wie R. Jochanan ben Sakkai und dem Patriarchen R. Gamliel, in Nothfällen ausgesucht wurde, daß er für sie bete. Wenn der Talmud und die Ueberlieserung der Gaomm bis zu R. Isaak Lurja von Erscheinungen des Propheten Elia berichten, so ist das nicht nur durch die Verkündung des letzten Propheten Maleachi, sondern auch durch Chronik II. 21, 12 zu einem integrirenden Bestandtheil des sechsten Glaubensartikels erhoben, der da lautet: Ich glaube, daß alle Berichte der Propheten wahr sind. Es heißt dort nämlich, daß an den König Joram eine Mahnung des Propheten Elia gelangt sei nach dessen'Aufstieg, wie der Kommentar bemerkt und wie unumstößlich angenommen werden muß, da derselbe noch bei Lebzeiten seines Vaters Josaphat erfolgte, welchen der Schüler Elia's, der Prophet Elisa, bereits aus seinem Zuge gegen Mesa von Moab begleitete. (Das Datum Heg-. II, 1,17 bezieht sich auf die Mitregentschaft Joram's bei Lebzeiten Josaphat's.).
Aber auch in den spätesten und trübsten Zeiten des Exils bildete der Glaube an die Wunderkrast der hervorrageirden Führer in der Judenheit eine der Grundsäulen der unerschütterlichen Treue und des Märtyrerthums für den Glauben. Selbst in Prag sind noch die alten lleberlieferungen von den Wundcr- thaten des R. Avigdor Krso während der Hussiten-Kriege und von denen des hohen Rabbi Löw (1698) nicht ganz erloschen. —