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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
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alte Verbot, die mündliche Ueberlieferung niederzuschreiben (vgl. letzte Mischnah Berachot: R. Natan war mit dem Niederschreiben der Mischnah nicht einverstanden; die Zeitverhältnisse zn korrigiren, soll Gott überlassen bleiben) noch in Kraft be­stehe, da die Aufhebung dieses Verbotes nur für solche erfolgt sei, die etwas von der Ueberlieserung aus dem Gedächtnisse verloren haben, was bei ihm nicht der Fall sei hörte nach seiner Gewohnheit mit geschlossenen Augen dem Vortrage seines großen Schülers zu. Wenn er Zu stocken anfing, so pflegte er den Segens­spruch über die Thora N2NK zu rezitiren, und da es diesmal nichts helfen wollte, sagte er: es muß eine Sünde da im Hause Vorgehen, und schickte seinen Schüler das Haus durchsuchen. Derselbe traf im Keller das Liebespärchen bei einem töte ä tete. Er forderte sie im Namen seines Lehrers aus, fortzugehen, wurde jedoch verhöhnt und mit Ohrfeigen bedroht. Er meldete dies seinem Lehrer, der sagte: NK2N gp N21NDas Gebot der Ermahnung verlangt, daß man sich der Ebentualität des Geschlagenwerdens ausseht." Er ging nochmals hinunter, und der reiche Bräutigam hielt Wort. Als der Rabbi dies hörte, nahm er den Schofar und legte das Paar in den Bann, der bei ihm nicht ohne Folgen blieb. Darob entstand nun natürlich ein heftiger Streit, und der strenge Richter (KD11 WM1 K1N D) mußte flüchten,

von seinem Schüler begleitet. Er ließ sich in Voskowitz nieder und hatte bald mit dem Schachet zu thun, den er als einen Sabbathianeir erkannte. Die Sekte hatte ganz Mähren verseucht. Der Schachet hatte eine große Partei, und man bedrohte R. Nathan Adler mit dein Messer. Die treuen Juden hielten eben so eifrig zu ihm, und da er wußte, daß sie ihn nicht fartlassen würden, schickte er Abends vor Erew Rosch haschana 1782 seinen Schüler R. Mosche Sofer in das benachbarte Dorf Lhota zn einem ergebenen Arendar und befahl ihm, um fünf Uhr früh, wenn die Gemeinde zu 3'cbor U'ris in der Syna­goge versammelt sein werde, zur Abfahrt bereit zu stehen. Verwundert mußte der Schüler gehorchen. Um 6 Uhr sichren Beide unbemerkt nach Wien ab und kamen um 9 Uhr an die Linie, welche kein Jude vassiren durfte. R. Nathan schickte daher R. Mosche Sofer in die Stadt zu Götz Wertheim, der die Erlaubnis; hatte, ein Miniau in seiner Wohnung zu halten, daß er ihm einen Passirschein verschaffe. Als er um halb zehn zu ihni in's Haus kam, fragte er den Boten Wann seid Ihr von Boskowitz abgefahren? Um fünf Uhr, antwortete er. Da schlug Wertheim die Hände über dem Kopf zusammen. PK

Man erlebt Wunder, obne es zu merken." 88 Meilen in 4 Stunden! Da R. Nathan Adler nie aus einem andren Sefer Thora den Abschnitt las. als ans einem selbst geschriebenen, nnd die Durchsicht (NNÄN) eines solchen gleichwerthig ill mit Schreiben, so korrigirte er noch am selben Tage eine Thorarolle von Anfang bis zu Ende, eine Leistung, welche der PgKN gleichkommt, die R. Mosche

Sofer noch vom kabbalistischen Standpunkte aus näher besprochen hat.

Das ist der altortbodope Wunderglaube.

Wir werden noch Geleaenbeit haben, zu sehen, daß der Cbaßidismus auf diesem Felde, gerade so wie durch die Kabbala, einen Weg durch viele Hindernisse hindurch gebahnt hat, um zu der NtED NDVK, schlichten Gläubigkeit, mit tiefem Verständnis; zurückzukehren.

Der Or Haebasirn ist das Wappen und die Fahne des Chaßidismus, der Kompaß, der den Weg durch den sturmdurchwühlten Ozean zeigt. Gr ist die ausgewählte geistige Nahrung für die Sabbathruhe, wenn die Seele, von dem trübseligen Kampfe um das Dasein befreit, sich in geistiger Erholung wieder­findet.