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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
Entstehung
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N. Israel hatte den Grundsatz ausgestellt, das; der bloße Glaube, oder vielmehr die llmnimli als unerschütterliche lleberzeugung, das Gebet, die Willenskraft und die Macht des gesprochenen Wortes, nach dem Grundsätze: "MM

(Hiob 22,28) alle geschriebenen Formeln erschen, ein Grundsatz, der schon in: Talmud Sabbaih 61b ausgesprochen ist: 'NQNX 'NQNX

(Der Mensch ist in sich heilskräftiger als das Amulett").

Ein eclatanter Fall erregte seiner Zeit besonders Aufsehen. Es kam zu ihm ein litthanischer Bettler, der mit Lepra behaftet war, und erhielt von ihm eine Kamen (Amulett) ausgefolgt. Als er fortgcgangen war, lief er ihm nach und zwang ihn, dieselbe zurückzugeben.Du trägst," sagte er, eine XN1OX (einen Fluch eines Gelehrten), gegen die es kein Mittel

giebt)." Dieser Gelehrte war R. Mose Sofer von Przeworsk, einer der hervor­ragendsten Schüler des R. Elimelech, von dem ein Kommentar zur Thora unter den: Titel Or ?'ne L4o8cbeb erhalten ist, in dessen Approbation N. Süsche. der Bruder des R. Elimelech, schreibt, daß er R. Mose beim Schreiben eines Sefer Thora beobachtet und bemerkt habe, wie ihm Feuer aus der Feder floß. Der bereits erwähnte Rabbi Mordcha von Neszchis in Rußland, der von Haus aus sehr reich war, wollte diesen bedeutendsten Schüler R. Elimelech's nach dessen-Tode an sich fesseln und engagirte ihn, in seinem Hause ein Sefer Thora zu schreiben. Da diese Arbeit bei ihm drei Jahre dauerte, so bezahlte er ihm 400 Dukaten. Als R. Mose fertig war und es wie gewöhnlich einem Magills (Korrektor) zur Durchsicht übergeben werden sollte, setzte er einen Preis von drei Dukaten für jeden gefundenen Fehler aus. Es meldete sich ein litthanischer Korrektor, den man in die Synagoge einschloß und ihm Tinte und Feder, sowie Messer und Geräthe entzog, mit denen er Fehler zu interpoliren im Stande gewesen wäre. Er fand keinen. Fehler, und obwohl ein geschickter Korrektor sehr wenig Zeit zur Durchsicht braucht, wollte er wenigstens drei Dukaten für einen Fehler verdient haben. Er riß sich in Ermangelung anderer Instrumente ein Barthaar aus, befeuchtete es mit Speichel und arbeitete fo lange an den: Buch­staben Z der Worte herum, bis er den Zwischenraum ausgefüllt hatte,

so daß pd) mit blun anstatt mit Oimel zu lesen war. Als er den gefundenen Greis" (Fehler) vorzeigte und seinen Lohn forderte, sagte ihm N. Mose: Du hast das selbst gemacht; denn ich erinnere mich genau des ftcllucl (be­sondere Gedankenfassung) , mit dem ich bei diesem Buchstaben geschrieben habe. Zum Beweis wird Dich der (Lepra) Dein Leben lang nicht verlassen." Dieses Sefer Thora, das im Besitz der Erben R. Mordcha's verblieben war. hat der zweite Rabbiner von Bels, R. Josua Rokeach, vor zwölf Jahren um den Preis von 6300 fl. an sich gebracht.

Der Pinsel eines Malers hat auch die Szene dargestellt, in welcher R. Mose Teitelbaum als hochbetagter Greis dem 9jährigen Knaben Kossuth leinen Segen ertheilte. Sein Vater, der als Conntatsbeamter den Juden hart zugcsetzt hatte, war im besten Mannesalter gestorben, und die Wittwe beeilte sich, den Rabbi um den Segen für die Waise zu bitten. R. Mose sagte damals: (Ps. 60,6): no883.tto lijreZollo ne.88 I6lll88imu8868 mipne Xosellut.

Ungarn, einst die Hochburg des grausamsten Antisemitismus, wurde nach 1849 eine der Hauptpflanzstätten der Assimilation. Die Cohn verwandelten sich in Kovacs und Kaposi, die Groß und Klein in Nagy und Kis, die Weiß und Schwarz in Feher und Fekete und bekamen Amorsflügel, die gerade so aus- sahen, wie die Schnauzbärte des Paprika-Schlesinger, das höchste Ideal des Fortschritts-Betyarcn.