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für jüdische Litteraturgeschichte und non allen Modernen benützte Hauptquelle. Er bereiste als Gesandter der palästinensischen Juden Afrika und den größten Theil Europa's während der unsäglichen Wirren, welche die Streitigkeiten im jüdischen Lager entfesselt hatten. Als Sephardi von Adel über den Parteien stehend, vermied er sorgfältig jede Aeußerung, die von einer Seite als Parteinahme ausgelegt werden konnte.
Um so werthvoller sind daher seine Auslassungen über den Chaßidismus als die eines unbefangenen Zeitgenossen einer mit nichts weniger als Wohlwollen aufgenommenen neuen Organisation gegenüber. Im Alter von 19 Jahren (1743) Schüler des Jerusalemer Rabbiners Chajim ben Atar, hatte er Gelegenheit den Schwager des Balschemtow, R. Abraham Gerson Kitower, kennen zu lernen und zu seinem Staunen die Enthüllungen des Balschemtow über die Hoheit seines Lehrers zu vernehmen, von denen der zu seinen Füßen sitzende Jüngling keine Ahnung hatte. (Siehe Leckwin iiuZeckolim, Or kuedujim.) Später lernte er in Liberias die Elite der Schüler des R. Dowber kennen, denen er im Lirics -Insel hohe Anerkennung zollt. Er nennt den R. Israel Balschemtow nicht anders als den „heiligen Choßid", und wenn er im Ledern iiuZeäoliin nur noch dessen ältesten Schüler, R. Josef Jakob Pollenojer, erwähnt, so beweist diese Reserve, die er sich auferlegt, daß er es als Schuld gegen das geheiligte Andenken seines großen Lehrers betrachtete, diesen gegenüber das Geschrei des höheren und niederen Pöbels mit dem Gewicht seiner Stimme zu übertönen.
Daß er über den Chaßidismus bis in's kleinste Detail informirt war, beweist sowohl sein Tadel als sein Lob. Den Tadel spricht er über die Druckerei in Korretz aus, welche gegen die Verbote der Sephardim alle alten kabbalistischen Werke an's Licht gezogen und durch den Druck verbreitet hat. Der dies veranlaßte, war der Famulus des R. Dowber Meseritscher, R. Salomo von Sokal, der bedeutendste Litterat unter seinen Schülern. In der Vorrede seines eigenen Werkes Öldruck Lslomo erklärt dieser, warum er es für nöthig befunden, alle alten Werke an's Licht zu ziehen, trotzdem die großen Sephardim ausschließlich die Schriften des -ckri und keine anderen, weder alte noch neue, eingesehen wissen wollten: weil letztere ohne jede vorbereitenden Anfangsgründe in die dunkle Ausdrucksweise der nur dem Fachgelehrten geläufigen, so eigenthümlichen Terminotechnik hineinspringen, so daß gefährliche Jrrthümer unvermeidlich sind. Außerdem waren die ächten Schriften des ^ri Niemandem außerhalb Palästinas zugänglich, und die acht Leiisurirri von der Hand R. Samuel Vital's sind erst im Jahre 1860 das erste Mal in Jerusalem gedruckt worden, so daß man sehen kann, welche Verstümmelungen und Lücken alle früheren Kopien und Sammlungen aufweisen. Ferner perhorreszirt der Choßid das bloße Buchstudium in einer Wissenschaft, die ohne lebendigen Lehrer, der noch dazu Genie und Talent besitzen muß, ganz und gar nicht verstanden werden kann. Schließlich haben diese anerkannten Schriften die überaus schwierige und tiefe Wissenschaft in ein Schienengeleise gezwängt, aus welchem man weder nach rechts noch nach links abweichen, weder nach vorn noch rückwärts blicken kann.
Das Lob spricht er unter Artikel aus und ergeht sich dabei
in einer Betrachtung über die Predigten im Allgemeinen, indem er sagt:
„In Spanien waren dieselben ursprünglich in Forschungen und gesunden Hypothesen zur Erklärung der Schrift angelegt, wie die des Hrs«l3, und andere. Nachher verlieren sich dieselben in die Scholastik und Naturlehre und verwenden diese zu ihren Schriften und Sentenzen-Erklärungen. Diese Art ist gänzlich untergegangen, die Druckwerke verfaulen auf den Böden, und viele Hunderte Manuskripte dieser Art habe ich in der Pariser Bibliothek gesehen, deren Andenken verschollen ist. Nach diesen traten Erklärer im Sinne unserer Weisen und ihrer Moral auf, wie