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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
Entstehung
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Aus diesen Trümmerhaufen einstiger Große ragt die erhabene Gestalt des Ran hervor.

Wir müssen hier den großen Azulai berichtigen. , Er nennt als den Ver­fasser der 12 Abhandlungen des kem einen R. Nissim bar Rauben, Schüler des Nachmanides, welcher im Jahre 5024 (1264) gestorben ist, während der große Gelehrte R. Samuel Juda Katzenelnbogen von Padua (1570) dieselben dem Run, R. Nissim ben Jacob, dem berühmten Commentator desKit" vindizirt. Daß die letztere Annahme die richtige ist und Azulai ohne kritische Prüfung dem Lsäer llnääorot, dieses dem Lolinlsciwlei iiniendnln, dieses dem OuellnÄn nachgeschrieben hat, läßt sich leicht beweisen:

1) Nach Azulai starb Ran b. Rauben im Jahre 5024 (1264), Nachmanides hingegen schrieb noch im Jahre 5027 (1267) in Palästina. Selbst wenn die Angabe des Todesjahres des Ran b. R. mit 28 im lluoiinsin richtig wäre, so kann dieser iknir nicht Schüler des Nachmanides gewesen sein, da er denselben wiederholt mit ^>"1 als Hingeschiedenen erwähnt, und er konnte im Jahre 28, selbst wenn er die Predigten in seinem Todesjahre verfaßt hätte, noch nicht über den Tod des Nach­manides unterrichtet sein.

2) War Ran b. R. weder Schüler noch Sohn des Nachmanides, wie der unverläßliche 8eiint8«tretet, irntcnbnin will, sonst würde er ihn mit dem Titel mein Lehrer" odermein Vater" erwähnen, auch nicht so unverzagt gegen manche seiner Sentenzen ohne die übliche Entschuldigung austreten.

3) Zitirt er in O. 4 S. 24 den RsidnA (Gersonides), Enkel des Nach­manides, der im Jahre 5061 (1301), also 37 resp. 33 Jahre nach dem Tode des

Ran b. R., schrieb.

4) Ist nachweisbar, das knu die zehnte Predigt im Jahre 5121 (1361),

13 Jahre nach der unter dem Namender schwarze Tod" aufgetretenen Pest, also 5 Jahre vor seinem im Jahre 5126 erfolgten Hinscheiden, geschrieben hat. Er sagt nämlich Seite 72:Aber wir haben das göttliche Strafgericht vor 13 Jahren

gesehen, das die Naturgesetze verändert hat. Denn damals kani ein Unglück über die Bewohner der ganzen Erde, und es brachen so ungewöhnliche Krankheiten ans, die ganz außerhalb der gewöhnlichen Natur lagen, daß jeder Vernünftige darin einen göttlichen Fingerzeig erblicken muß. So sehen wir in jenem Jahre eine Umtoälzung, wie sie seit 200 Jahren nicht beobachtet wurde." Dann deutet er die

in Folge dessen noch immer fortwährenden Judenverfolgungen an. Nun ist es

bekannt, daß die damalige Katastrophe ein Viertel der Menschheit hinraffte, daß von dem Jacobinerorden allein, den die Tossafisten in ?. Unnsinu bei

erwähnen, 1^ Millionen Mönche starben, während die Juden verschont blieben und deswegen der Brunnenvergiftung beschuldigt und der Wuth des Pöbels preis­gegeben waren.

5) R. Nissim bar Jakob, der Kommentator, war ein berühmter Arzt und Astronom. So beweisen auch zahlreiche Zitate aus Hippokrates und Galenus, seine Sentenzen über erbliche Krankheiten, über die verschiedenen Grade der wärmeerregenden Arzneimittel und sonstige Aussprüche seine Autorschaft.

6) Würde ein Schüler des Nachmanides irgend eine Beziehung zu dem kabbalistischen Gedankenkreise dieses großen Lehrers verrathen, deren gänzliches Fehlen vollständig zu dem System der großen Uan paßt.

7) Kann dieses Prachtwerk, dessen zeitgenössische scholastische Hülle von dem kostbaren Edelsteinkern so leicht abgelöst werden kann, nicht deni ersten besten Unbe­kannten zugeschrieben werden. Die Leichtigkeit, mit welcher er die alten philoso­phischen Systeme um den Finger wickelt, die schneidige Gedrungenheit des Gedankens,