bemerkenswerth für den Psychologen ist seine Fürsprache, die er, in der Thür stehend, den durchmarschirenden Russen widmete. Ich habe, sagte er, sie durchs gesehen, ich finde keinen Einzigen Unfruchtbaren darunter. Drastischer kann man den Naturwerth der unverdorbenen Steppenbewohner gegen die Perversität des Franzosen, das Grundübel der modernen Entartung, nicht zum Ausdruck bringen. Noch weil
merkwürdiger war R. Mendel Rymanower. —-Eine Zeitepoche, wie sie die
Juden im Exil seit Cyrus' Zeiten nicht mehr erlebt hatten, fand Männer, die mit Recht an die Zeiten Daniel's und Esra's anknüpsen konnten.
Das durch anderthalb Jahrtausende auf zahllosen Scheiterhaufen vom Tajo bis zur Weichsel verbrannte, so vielmal todtgesagte Volk erhob sich wie ein Phönix aus der Asche.
Mit grimmigem Humor pflegte der erwähnte R. Mendel nach dem Seder ani Pesach-Abend eine Anekdote nach Art des Chadgadjagedichtes zu erzählen. Ein Arendar bewohnte ein Waldwirthshaus, in dessen Nähe sich ein Bär zeigte. Der Förster lauerte diesem auf und trank inzwischen tagtäglich denn Juden auf das Fell des zu erlegenden Büren. Nach einigen Wochen kam der Bär in Sicht. Der Förster rief den Wirth hinaus, hieß ihn auf einen Baum klettern, um die Jagd mit anzusehen, legte an und schoß. Halbtrunken, wie er war, verfehlte er das Ziel. Der Bär kam auf ihn zu, und zu Tode erschrocken, warf er sich auf's Gesicht und stellte sich todt. Der Bür beschnüffelte ihn von der Ferse»bis zum Halse und trollte sich fort. Als er außer Sehweite war, kain der Arendar vom Baume herunter, richtete den noch immer regungslos daliegendcn „Esau" auf und fragte ihn spöttisch: Was hat Dir der Bär denn in's Ohr geraunt? Er sagte, antwortete der Förster: wi^ä^ iris M nu WM sleärtz (Du sollst niemals ans ein fremdes Fell trinken).
Das Jahr 1815 raffte diese drei Häupter des Volkes hinweg. Der X6ciu8oliu8 lwv.p hatte bereits im Jahre 1810 das Zeitliche gesegnet; ani 25. Tischri, nach den außerordentlichen Anstrengungen des Gebetes, hauchte er im Alter von 70 Jahren seine reine Seele aus. R. Salomo Karliner wurde am Sabbath 22. Tamus 1812 beim Nischmasgebete von der Kugel eines Kosaken in den Fuß getroffen. Er achtete nicht ans das strömende Blut und ließ sich nach Beendigung des Gebetes des Sabbaths halber keinen Verband cmlegen. Unbeirrt durch die körperlichen Schmerzen, hauchte er Dienstag seine Seele im Gebete aus. R. David Alower starb am 7. Schebat 1813, nachdem er noch an einem Freitag Abend, vier Wochen früher, in Gegenwart meines alten Freundes R. Simon bei Besprechung der Agada über Rabbi Chanina ben Dosa Folgendes gesagt hatte: Der Talmud erzählt: R. Chanina wanderw seines Weges, als ein Regenguß eintrat. Da sprach er: Die ganze Welt hat Ruhe, und ich soll Schmerz empfinden? Da hörte der Regen aus. Als er zu Hause angekommen war, sprach er: Die ganze Welt empfindet Schmerz und ich soll Ruhe haben? Da stellte sich der Regen wieder ein. Diese Erzählung steht in Widerspruch mit einer anderen, wonach eine Stimme verkündet hätte: Alles wird gespeist um meines Sohnes Chanina willen, und dieser selbst begnügt sich von einem Sabbath zum andern mit einem Maß Carobbenfrucht! Wie konnte R. Chanina also die Wohlthat der Gesammtheit seinem persönlichen Mißbehagen opfern wollen? Die Antwort ist: Es heißt (eig. „um willen").
Er war der der Leitungspsad, durch welchen der Segen durchgehen mußte.
Als er nun bei dem Regengüsse Schmerz empfand, so sagte er sich: Wenn der Regen ein segeubringeuder, kein zerstör^rder wäre, so könnte ich keinen Schmerz dabei empfinden." Zum Befremden seiner Zuhörer, die bei dem sonst sehr verschlossenen Manne an derlei Aeußeruugeu nicht gewöhnt waren, schloß er mit den