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seines größten Gegners, des Wilnaer Gaon's (1798), überbrachte, war er tief erschüttert, lehnte nach dem vorgeschriebenen Trauersprnche das Haupt eine Zeit lang auf den Tisch, erhob sich dann und sprach: „Es ist für mich ein besonderes Unglück; denn nunmehr wird die Gegnerschaft gegen mich von einer weit höheren Quelle ausgehen." Als er dann mit R. Baruch znsaninientraf, suchte er ihn vergebens mit seinem System zu versöhnen. Es kam zwischen diesen beide» Geistcs- riesen zu einem Wortkampse, der naturgemäß unentschieden bleiben mnßtc. R. Barnch gerieth in Zorn und berief sich auf seine Autorität als Enkel des Balschcmtow. Ihr seid nur sein körperlicher Enkel, antwortete der Raw, ich bin sein geistiger Enkel als Schüler des R. Ber. Respekt vor mir! sagte R. Baruch, ich trage die Tcfillin des Balschemtow. Sie sind Y1OD (unbrauchbar), sagte der Raw. R. Barnch mußte sofort die Tefillin ablegen, und als man sie öffnete, fand man, daß ein Buchstabe abgesprungen und sie nicht mehr zu benutzen waren. R. Baruch brach in Thräncn ans: er habe ihm die Tefillin verdorben, und der Raw hatte auch später Grund genug, den unabweisbaren Sieg zu bedauern. Der große R. Elimelech, der im eigentlichen Polen dem Chassidismus den Weg direkt zum Herzen des Volkes zu öffnen und mit vulkanischer Macht die Massen hinznreißcn wußte, was ebenfalls dem Widerspruche R. Baruchs begegnete, findet die Abwehr in der Auslegung des Verses 2. B. M. 22, 27: 1871 8^ K'L'D. Ter Talmud bemerkt
dazu: dso886si manuell Lmcsinr, wenn er sich führt wie Dein Volk. Nun heißt es aber Hosea 4, 4: vvonmelm kimriera siotwn, Dein Volk ist streitsüchtig wie Priester, von denen der Talmud sagt, daß sie als Abkömmlinge des Stammes Levi zu Zorn geneigt sind. Wenn es mm einen Fürsten, d. h. einen Volksleitcr giebt, der (mit Bezug ans den Vordersatz) ein strenger Richter ist und sich die Volksart des Zornes 'angeeignet hat, so darfst du ihn zwar nicht gcringschätzen, mußt ihm aber aus dem Wege gehen, 18N 8^, ihn nicht erleuchten, denn indem man sich einem Führer unterwirft, giebt man ihm Gelegenheit, sein Licht aus weite Fernen anszubreiten, was bei diesem nicht rathsam ist.
Uebrigens gilt auch für den größten das Gesetz unserer Weisen: „Tu
sollst nicht allem richten, denn es richtet allein nur der Einzige!"
Bei einem Verwandten, einem Tochtcrsvhu des überaus heilige» R. Aro» Tntiewer versagte die Strenge des R. Baruch. R. Nachmann Braslawer aus Uman in der Ukraine hat ein Werk oder vielmehr eine ganze umfangreiche Litleratur über die Kabbala geschaffen, in welcher der ganze Schnlchan Aruch bis in die kleinsten Details kabbalistisch erklärt und die Kabbala in einer an Beziehungswahn grenzenden, die kleinsten Lebensänßernngen verknüpfenden Methode popularisirt ist, die selbst als Buchstudinm die Kraft besitzt, das sprödeste Gehirn durch und durch zu imprägniren und jenes mystische Halbdunkel zu erzeugen, das als imlösbarer Firniß die innere Hohlheit mit täuschendem Glanze schmückt. Es ist für den Fachgelehrten, geschweige denn für den Halblaien, außerordentlich schwer, das Ding beim rechten Namen zu nennen oder der Sache auf den Grund zu kommen, da man es mit einem an Geistesblitzen überreichen, gewaltigen Künstler zu thun hat. Auf ein jugendliches Gehirn wirkt es geradezu als Purgativ, das, in der Sturm- und Drangperiode von Nutzen, den geistigen Magen zur Aufnahme gesunder Nahrung vollständig unfähig macht. Diesem Mann und seinem Wirken trat, wie bereits kurz erwähnt, einer jener räthselhastcn Einsiedler nach Art des R. Leb Sores entgegen, der bei seinen Zeitgenossen in größter Achtung stand. Er hieß R. Leb von Spala, und da er ein hochbetagter Greis war, ward er mit dem Volksbcinamcn „Später Scde" (der Alte von Spala) belegt. Er war ein Schüler des ältesten Schülers des Balschcmtow,