Druckschrift 
Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen

284

des R. Jakob Josef Hakohen von Pollenoje (Toläot cknkob 4o86l). Derselbe zog von Stadt zu Stadt und warnte das Volk vor diesen Büchern (Iniruta Uarun). R. Nachmarr, der als kränklicher Mann seine letzte Stunde nahen fühlte, hatte seinen Anhängern befohlen, daß sie nach seinem Tode ausschließlich zu seinem Grabe wallfahrten sollte», was auch bis heute noch trotz aller Verfolgungen der unter dem Namen Braslawcr (von seinem Grabe in Braslaw, Ukraine) bekannten Anhänger geschieht, was R. Leb als Götzendienst in den schärfsten Ausdrücken ebenso stigmatisirte, wie dessen scheinbar unverfängliche Lehren. Als er im Winter nach einer solchen Ermahnung ein am Dniepr gelegenes Städtchen verließ, von der ganzen Gemeinde bis zur Fähre begleitet, und die Fähre vom Treibeis mittendurch geschnitten wurde, sodaß alle Insassen in den Wellen versanken, erhob er sich in der Fluch und rief der am Ufer versammelten verzweifelten Menge zu:Wenn ich untergehen sollte, so wird man Euch sagen, das sei die Strafe für meine Verfolgungen des R. Nach­man. Ich beschwöre Euch in dieser Stunde, Euch nicht irre machen zu lassen und meine Ermahnungen als unverbrüchlich zu befolgen." Er rettete sich schließlich ans llfer, während sein Famulus nur als Leiche geborgen werden konnte, was auch erst unter ungewöhnlichen Umständen möglich war.

Gegen diesen Mann berief R. Baruch eine Versammlung ein, zu der die größten Rabbiner, darunter auch X6cku8olla.8 Uavi, erschienen. Er sollte Rechen­schaft ablegen über sein Auftreten. Der Alte kam an einem Neumondstage, als die angekommenen Gäste zur gemeinschaftlichen Tafel geladen waren, und wußte es so eiuzurichten, daß der Berdyczewer Raw gegen den Einspruch des Gastgebers seinen Wunsch unterstützte, man möge ihm, nachdem man sich zu Tisch gesetzt hatte, vor allem von dem letzten Gerichte zu kosten geben. Als dies geschah, zeigte er in demselben einen Knochen, durch welchen das ganze Essen trefe war. R. Baruch war durch dieses Ereigniß konsternirt, und der Alte, der mit Vorliebe russisch sprach, sagte ihm in dieser Sprache:Du bist ein Enkel, laß den Seden in Ruhe, denn ein Sede steckt ungezogene Enkel in den Sack."

Nun war dieser R. Leb nicht Einzelrichter in dieser Sache. Alle Großen waren in der abfälligen Beurtheiluug auch in späteren Zeiten einstimmig. R. Israel von RrEan sagte darüber:Jede Richtung hat ihren Widerpart. Gegen meinen

Großvater, R. Abraham Hamalach (der wie bereits erwähnt, die Kabbala von Grund aus ueuaufgebaut hatte), wuchs als Nt NI (Gegenpart) der lülluts

Uuruu auf; mein Widerpart ist der Kotzker in Polen." Dabei ist zu bemerken, daß die Anhänger des Letzteren, trotzdem sie die ganze chaßidische Literatur, selbst den Xsärwolws Imvi, keines Blickes würdigten, mit besonderer Vorliebe die Schriften des lüieule iAni'km gehätschelt haben.

Der Antagonismus gegen das System Chabad bei dem Rabbiner von Zydaczow stammte also in erster Reihe von R. Baruch. Er war, wie Eingangs erwähnt, in Begleitung seines Lehrers, den alle Welt mit dem Namender Rabbi" oderRndbanü ckluieocknusoii" nannte, dem R. Baruch aber nur den Titel NNNN, derSeher ans Polen", zugesteheu wollte, bei letzterem erschienen. In seiner unbeugsamen Manier sagte er sogar:Der Schüler gefällt mir noch besser als der Lehrer." R. Baruch pflegte mit seiner Frau und seinen Töchtern bei Tische zu sitzen, was, wenn fremde Gäste da sind, in Polen noch heute verpönt ist. Der Rabbi von Lublin, der in seiner Jugend durch drei Jahre die Augen verbunden trüg, fühlte sich so unbehaglich, daß die Frauen den Tisch verlassen mußten. Darob erzürnt, sagte ihm R. Baruch: David betete (Ps. 119, 37): N2VN

N1XNVWende meine Augen ab vorn Sehen der Trugbilder." Warum