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ihnen vergeben wurden trotz des Bannes, mit welchem die Synode zu Lublin im Jahre 1587 die Protektionswirthschaft belegt hatte. Die dem Volke genehmen Kandidaten wurden hinausgejagt, und der Schwiegersohn des Koseli dulroliol trug den Sieg davon. Einem solchen unumschränkten Ghettokönig erschienen die Chaßidim als verdammenswerthe Demagogen, die es wagten, einem außerhalb der Stadt wohnenden, von keinem Resed irnlrodol eingesetzten Rabbiner zu huldigen, was an und sür sich schon Hochverrath gleich kam. Dazu kamen die Bedenken des inneren Friedens, der nach den stürmischen Kämpfen der fünfziger Jahre kaum hergestellt war. Man hatte in Krakau auf offenem Markte die Schmähschriften des Jabetz gegen seine Gegner verbrannt und die Lektüre oder das Halten derselben in der Bibliothek mit dem Banne belegt. Jabetz hatte sich dafür durch die schärfste Satyre über die Krakauer Assessoren und ihren Meth gerächt. Nun kamen wieder die Chaßidim als schwärmerische Neuerer. R. Kalonymus Epstein aus Neustadt an der Weichsel war im Jahre 1783 nach Krakau gekommen. Er betete in dem Beth hamidrasch des ^leAulo (R. Natan Spira, gestorben 1633) mit solcher
Ekstase, daß cs den Anschein hatte, als würde er das Gitter bei der Bundeslade, das er umklammert hielt, aus dem Boden reißen. Die Philister hieben niit Gerten ans seine Finger ein, daß das Blut herausschoß, ohne daß er es spürte. Er hatte Gesinnungsgenossen, wie den erwähnten R. Leibisch, R. Samuel Piller, Enkel des R. Jvsua (NoAink Lolilonik), R. Simon Sofer, Sohn eines reichen Arendars ans dein benachbarten ?in8leo^6 LRulu, die wegen ihrer Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Abstammung allgemein geachtet waren. Aber sie waren Demagogen. Der R68ob iiukodol Markus Pinkns sagte von dem Letzteren: Das kleine „Schimmele hat auch Flei in der Novs (Flöhe in der Nase)." Das war nämlich ausschließliches Vorrecht des Kültusprüsidenten. Nun kamen die Brandschriften aus Wilna, die zum Kampfe gegen den Chaßidismus riesen. Es kann daher nicht Wunder nehmen, daß auch in Krakau am 25. Tischri 1786 der Bann über dieselben verhängt wurde. Aber welchen Werth hatte derselbe von Seiten eines Rabbinats, dessen nepotische Provenienz unter einem weit alteren Banne stand. Die Exkommunikanten konnten nicht ahnen, daß von ihren Enkeln nur diejenigen dem Glauben der Väter treu bleiben würden, die in das Lager der Exkommunizirten übergingen; die bei weitem größere Mehrzahl hat sich ins feindliche Lager zum mindesten unter die schlimmsten Assimilanten begeben. Mit welch mephitischen Dünsten die damalige Ghettoatmosphäre geschwängert war, beweist der in den Annalen der Gemeinde unerhörte Fall, daß ein keineswegs unwissender Vorsteher der ältesten Synagoge, Namens Feintuch, im Greisenalter mit Kind und Kegel die Taufe nahm, nachdem er sichs^ie"er bei diesem Akte öffentlich wiederholte, der Konzession einer rMicn (Schenke am Ring) vergewissert
hatte. Soweit hatten Rohheit und Verblödung das Ansehen der Religion hinabgedrückt. Man begreift die Nothwendigkeit ganz außerordentlicher herrischer Anstrengungen und für dieselben ausgebildeter Männer, um das Volk aus dem Sumpfe emporzureißen. R. Kalonymus war der richtige Mann dazu. Seinem hohen Ernste und der Macht seiner Persönlichkeit, die in demselben Maße Liebe und Schrecken zu verbreiten wußte, gelang cs, die kecksten Machthaber und die frechsten Spötter zu bändigen und den zum Abfall Neigenden außerhalb des Lagers ihren Platz anzuweisen. Sein Werk „Itluor 1Vw8elu;m686b" (Thora-Komentar) ist eines der interessantesten der chaßidischen Literatur, namentlich durch die Aufschlüsse über das Wesen und Wirken der großen Lehrer und Zeitgenossen, die der Verfasser mit Aufopferung seiner Kräfte und prüfendem Auge gründlich kennen zu lernen bestrebt gewesen war. Er starb am 1. Tamns 1823. Mein R. Simon, einer seiner Lieblinge, der in seinem Hause erzogen war, wich bis zum letzten Augenblick nicht von seiner Seite.