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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
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Art des ^ri aus den Linien der Stirne lese, und als ich fühlte, daß die Reihe an nach kommen werde, rückte ich mir den Spodek über die Augen. Er schwieg. Da dachte ich mir: Erstens darf ich ihn nicht stören, zweitens, will ich wissen, was er mir zu sagen hat, und entblößte meine Stirn. Da fing er an: O, Süsche, Tu giebst nicht Acht aus die Vorschrift von idiatülat llnäg-Mr nach dem Schlafe. Dann ging er zu meinem Nachbar über. Nach Tisch begab ich mich zu ihm auf sein Stübchen und fragte ihn, da er doch wahrscheinlich mich damit gemeint habe, daß ich nnr nicht bewußt sei, jemals die vorgeschriebene Waschung nach dem Schlafe verfehlt zu haben. Er dachte nach und sprach dann: Und wie thust Du, wenn Du bei Tage schläfst? Da ist doch eigentlich nichts vorgeschrieben, antwortete ich. Das ist richtig, sagte er, gilt aber nicht für einen Chaßid, wie Du. Fortan sollst Du auch dabei aufmerksam sein.

Sein Lehrer, R. Mendel Rhmanower, der von unnahbarer Strenge war, rief einmal beim Tische aus: Wer kein Ledomer dadinZ ist (d. h. gegen jede Anwandlung eines unkenschen Gedankens gefeit), der hat bei meinem Tische nichts zu suchen. Alles lief vom Tische weg, R. Kalonymos blieb sitzen und sagte: Ich bin ein alter Jüd, wohin werde ich laufen?

Bei aller Strenge war R. Mendel aber ebenso voll Liebe für das Volk, wie seine großen Kollegen. Dem Schwiegervater meines R. Simon, einem Arendar Namens R. Schalem von Jadowniki (Dorf bei Bochum), der durch seine Wohl- thätigkeit weit und breit berühmt war, sagte er: Du sollst acht geben auf die armen, unwissenden Dorfläuser (Hausirer). Wenn so ein Armer nach mühseliger Tagesarbeit, von Dorf zu Dorf um ein Kaninchenfell laufend, gehetzt und ermüdet zu Dir kommt und, bevor er sein kärgliches Stück Brot verzehrt, sich in den Winkel stellt, um früher Mincha zu beten, so zittern Serasim und Ofanim vor der zum Himmel steigenden RelMud.

Im Zentrum dieser Epoche steht der bereits erwähnte R. Uri Klughanpt von Strelisk, Schüler des R. Mordcha von Neschschus, namentlich aber des R. Salomo Karliner. Von seiner hohen Warte aus leitete er die Bewegung mit Adlerblick. Er war der R. Baruch seines Zeitalters, in seiner Schroffheit mit dem Amoräer Resch Lakisch vergleichbar. Er sah die Gefahren, welche der neuen Bewegung drohten, wenn sich die Massen ohne die Leitung der berufenen Männer derselben bemächtigten und auf eigene Faust das Studium der Mystik und schwärmerische Emotionen des Gefühls mit himmelstürmendem Supranaturalismns zu betreiben anfingen, und wußte dieselben einzudämmen.

Es heißt von Eli's Zeiten (Sam. I, 3, 1): Und das Wort des Ewigen war theuer in jener Zeit, HM H8, das Seherthum war nicht offen. "tMD)

heißt auchausgebrochen", im Gegensatz zutheuer", soviel wiewohlfeil". Es liegt in diesem Ausdruck etwas wie ein leiser Vorwurf gegen das später zu offene und wohlfeile Auftreten. Nun ist zwar unsere Zeit nicht mit der uralten Antike zu identifiziren, obwohl R. Hirsch Elimelech von Dynow, ebenfalls einer jener strengen Talmudisten des Chaßidismus, im äepirlca sagt, daß derjenige, der den Seher von Lublin genau gekannt hat und an eine wenigstens ähnliche Sehergabe wie bei Samuel nicht glauben will, zu einem unverbesserlichen Skeptiker veranlagt sei, ohne daß damit der ungeheure Abstand zwischen Beiden ausgehoben wird. Aber so wie diese Levitenfamilie ihren Ursprung auf den Propheten Samuel zurückführt, so ist es nicht abzusehen, warum nach so glänzend bestandenen vieltausendjährigen Prüfungen die geistigen Fähigkeiten des Urahnen sich nicht in den Nachkommen äußern sollten. Der Heuchler, der die Annahme der Möglichkeit für die Gegenwart als ein Sacrilegium