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mit der anscheinend harmlosen Frage: „Nu, Rachmicl, sagst Du Tillim?" „Ich habe ihn dafür", erzählte R, Rachmiel, „mit einem Fieber mcchabbcd gewesen ans ein volles Jahr." Unter allen Gegnern dieses späteren Führers R. Mendel — nnd das waren alle Rabbiner der älteren Schule — war er einer der erbittertsten, da er dessen Programm als eine große Gefahr betrachtete und gelobte, ihn, da es ihm bei Lebzeiten nicht möglich war, nach seinem Tode unschädlich zu machen. Er starb um 1840.
Außer diesen Söhnen der Alten führten noch einige sehr hervorragende Lnbliner Schüler, R. Fischel Strikower, den man (völlig fehlerloses
Opfer) nannte, R. Rüben Zarnowcer (Verfasser des I üuluiru du88ru1o) nnd R. Ber Radoszycer, dessen Sehergaben nnd Heilungen Nervenkranker nnd unheilbarster Wahnsinniger ihm ungeheuren Zulauf verschafften. ^
Eine Anekdote verdient Erwähnung. Ein verrückt gewordener Krakauers Gelehrter, der „meschuggene Schmul", kam einmal zu ihm, als er gerade weg-: fahren wollte, und setzte sich in die Kalesche, als der Rabbi einsteigcn wollte. Ans. dessen Aufforderung, hinauszugehen, antwortete er: „Rebbe, folgt mich, fahren wir' zusammen! Wißt Ihr warum? Mir läuft die halbe Welt nach, weil ich meschngcw bin, Euch läuft die halbe Welt nach weil sie meschuggc ist. Wenn wir beide zus sammen fahren, wird uns die ganze Welt nachlausen."
Mein seliger Lehrer R. Salomo fragte ihn einst: „Wozu soll es frommen, diese Art lUolÄm (Wunder) vor dem Pöbel zu beweisen? Ist es nicht eher der Mühe werth, auf den Seelenznstand junger Leute heilend einznwirken?" R. Verhalte jedoch andere Ansichten darüber. Äußer diesen Männern gab cs noch viele niedereren Ranges, so z. B. R. Chaim in Wolbrom, dessen offene Sehergaben nicht zu bezweifeln sind, auch von den kecksten Jungen nicht geleugnet wurden, ohne daß er deswegen besondere Geltung gehabt hätte. Er starb 1864 im Alter von 90 Jahren und hinterlicß bei den untersten Klassen einen heilsamen Respekt vor der Religion.
Als hätten die heißen Gebete uqd die glühende Sehnsucht der Zaddikim nach Palästina eine Bresche in die eiserne Mauer gelegt, trat damals ein Ereignis; ein, das § in den Re sponsere des großen R. Moses Sofer zu -loro Don 236 Andeutung findet.' Es scheint 1829 gewesen zu sein. R. Akiba Eigcr in Posen bat ihn, seinen Schwiegersohn, sich dafür zu verwenden, daß das Pcßach-Opscr ans der Tempelstättc dargcbracht werde. Die religiösen Bedenken dagegen entkräftet R. Moses Sofer erstens durch den Hinweis auf den Tossafisten R. Chaim Eohn, der im Jahre 1257 dasselbe , thun wollte, sowie durch Entscheidungen, die den göttlichen Geist dieses Mannes in > seiner ganzen Größe zeigen. Der Chassidismus hat besondere Gründe, auf das Drei- > gestirn'am Talmudhimmcl R. Mordcha Bauet, R. Akiba nnd R. Moses als Schülcr der Brüder R. Schmecke, R. Pinchas Horowitz und R. Natan Adler stolz zu sein. Ibrahim Pascha und Mehcmct Ali von Aegypten hatten der Türkei den Besitz Palästinas entrissen und stellten an die Juden das Anerbieten freier Religionsübung. Es war zwar nur ein vorübergehender Sonncnblick, und auch die Gelehrten von der Linken setzten den hoch über ihnen stehenden Autoritäten in angeborenem Geiste des Widerspruches ihren Eigensinn entgegen, aber für R. Moses und R. Akiba war cs ein Gefühl der höchsten Wonne, daß in ihren Tagen diese Frage aufs Tapet kommen konnte. Ich habe meinen verewigten Lehrer bedauern hören, daß der Augenblick verpaßt wurde.
' Um die prinzipielle Gegnerschaft zwischen Chatzidun und Lomdim, den Nabbinen der älteren Schule, zu verstehen, muß man das Programm kennen, das die berühmte Autorität R. Jesaia Horvvitz (st. 1631) im 8oIiio>>, iUnEliot Uomcolum entworfen hat. Derselbe sagt (§. 162) wörtlich: